Fluchtursachen von Frauen
Frauen fliehen aus vielen Gründen
Frauen und Mädchen fliehen aus denselben Gründen wie Männer – etwa vor Krieg, bewaffneten Konflikten oder politischer Verfolgung. Gleichzeitig sind sie häufig von Formen geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen, die ihre Flucht zusätzlich prägen oder sogar erst auslösen.
Diese Gewalt findet häufig im familiären oder sozialen Umfeld statt und bleibt deshalb oft unsichtbar. Für viele Frauen ist die Flucht der einzige Weg, um sich dauerhaft vor Gewalt, Ausbeutung oder Verfolgung zu schützen.
Geschlechtsspezifische Fluchtgründe können im Asylverfahren eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen aus der Beratungspraxis von SOLWODI, dass viele Frauen ihre Erlebnisse zunächst nicht offen ansprechen – etwa aus Angst, Scham oder aufgrund ihrer Traumatisierung.
Formen geschlechtsspezifischer Verfolgung
Frauen fliehen aus sehr unterschiedlichen Gründen. Zu den häufigsten geschlechtsspezifischen Fluchtursachen gehören:
Krieg und bewaffnete Konflikte
Politische Verfolgung
Gewalt in engen sozialen Beziehungen
Sexualisierte Gewalt
Patriarchale Gewalt und sogenannte Ehrgewalt
Zwangsverheiratung
Weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C)
Menschenhandel und verschiedene Formen der Ausbeutung
Zu vielen dieser Themen finden Sie auf unserer Homepage ausführliche Hintergrundinformationen:
Flucht bedeutet nicht automatisch Sicherheit
Für viele Frauen endet die Gewalt nicht mit dem Verlassen ihres Herkunftslandes.
Viele erleben auch während der Flucht sexualisierte Gewalt, Ausbeutung oder Menschenhandel. Andere geraten in Transitstaaten oder nach ihrer Ankunft in Europa erneut in Abhängigkeiten oder werden Opfer weiterer Gewalterfahrungen.
Aus der Beratungspraxis von SOLWODI wissen wir, dass viele Frauen mehrfach traumatisiert sind. Gewalterfahrungen im Herkunftsland, auf der Flucht und teilweise auch in Europa können sich gegenseitig verstärken und die Verarbeitung zusätzlich erschweren.
Bedeutung für das Asylverfahren
Geschlechtsspezifische Gewalt ist häufig nicht auf den ersten Blick erkennbar. Viele Frauen sprechen erst nach mehreren Gesprächen über ihre Erlebnisse oder können diese aufgrund ihrer Traumatisierung zunächst nicht vollständig schildern.
Deshalb ist es besonders wichtig, dass geschlechtsspezifische Fluchtgründe und besondere Schutzbedarfe frühzeitig erkannt und im Asylverfahren angemessen berücksichtigt werden. Eine traumasensible Anhörung, spezialisierte Fachberatung und geeignete Schutzmaßnahmen können dazu beitragen, dass Frauen ihre Geschichte in einem geschützten Rahmen erzählen können.
Was SOLWODI fordert
SOLWODI setzt sich dafür ein,
dass geschlechtsspezifische Fluchtgründe im Asylverfahren konsequent berücksichtigt werden,
dass besondere Schutzbedarfe frühzeitig erkannt werden,
dass Frauen Zugang zu spezialisierter Fachberatung erhalten,
dass traumasensible Verfahren flächendeckend umgesetzt werden,
und dass Frauen während des gesamten Asylverfahrens wirksam geschützt werden.






