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Leben in der Prostitution

Die Formen der Prostitution sind vielfältig. Bekannt sind vor allem Bordelle oder Laufhäuser und die Straßenprostitution. Sonderformen der Straßenprostitution sind die Wohnwagenprostitution vor allem im ländlichen Gebiet, bei der Frauen am Straßenrand stehen, um Freier anzulocken und dann in einem Wohnwagen oder anderem Gefährt zu bedienen, und die Beschaffungsprostitution, bei der nicht die Prostitution an sich, sondern die Sucht im Vordergrund steht. Es gibt Escortservices, Domina- und BDSM Studios sowie andere spezialisierte Formen. Zunehmend etablieren sich Mischformen, insbesondere zwischen Pornografie und Prostitution. So können Freier pornografische Bilder und Filme bei den Frauen bestellen und in manchen Fällen sich auch zu direktem sexuellen Kontakt verabreden. Ebenfalls zunehmend ist die Wohnungsprostitution, auf die weiter unten näher eingegangen wird. Die Freier mögen unterschiedliche Preise zahlen und die hygienischen Verhältnisse und das Ambiente mögen unterschiedlich sein. Aber all diesen Formen ist gemeinsam, dass sie Gewalt und Ausbeutung von Frauen ermöglichen, dass Frauen die oben beschriebenen körperlichen und psychischen Belastungen erfahren und dass Frauen als Ware zum Objekt degradiert und ihrer Würde beraubt werden. Es gibt keine „guten“ Prostitutionsformen.

Pars Sahin

Viele Missverständnisse gibt es in Bezug auf die Bordellprostitution. Die Frauen sind hier in der Regel keinesfalls angestellt, d.h. genießen keinen Arbeitsschutz oder Zugang zu Krankenversicherung oder Sozialversicherungen. Die Bordellbetreibenden agieren nicht als Arbeitgeber, sondern als Zimmervermieter und die Frauen sind formal „selbständig“, d.h. für sie gelten keine Regeln zur Begrenzung der Arbeitszeit, Urlaub oder ähnliche Bestimmungen. Sind sie krank oder können sie aus anderen Gründen nicht tätig sein, tragen sie das volle Risiko des Verdienstausfalls. Die Zimmermiete ist horrend und beträgt meist 120-180 € pro Tag. Dazu kommen überhöhte Preise für Lebensmittel, Hygieneartikel und Security sowie die bereits oben erwähnte pauschale Besteuerung. Mit anderen Worten, eine Frau muss bereits ca. 5 Freier bedienen, um nur die Kosten zu decken. Dann hält in der Regel noch der Zuhälter die Hand auf, sodass für sie selbst kaum etwas übrig bleibt.

 

So verwundert es nicht, dass viele Frauen auch im Bordell wohnen und schlafen, obwohl das nach dem ProstSchG eigentlich verboten ist, aber eine zusätzliche Wohnung ist einfach zu teuer. Für Zuhälter und Bordellbetreiber ist es natürlich einfacher, die Frauen zu kontrollieren, wenn sie im Bordell leben. Außerdem sind sie so immer verfügbar. Als während des Corona Lockdowns die Bordelle schließen mussten, fanden sich daher viele Frauen plötzlich ohne Wohnung auf der Straße wieder. Die Mär von der „goldenen Nase“, die man sich angeblich in der Prostitution verdienen könne, wurde 2020 endgültig widerlegt.

Hello I m Nik

Prostitution 2.0

 

Schon seit längeren beobachten die SOLWODI Sozialarbeiterinnen, dass die klassischen Bordellstraßen leerer werden. Es halten sich dort weniger Freier und weniger Prostituierte auf. Das bedeutet aber nicht, dass die Prostitution weniger wird, sondern sie verlagert sich zunehmend in sogenannte Terminwohnungen mit Anbahnung über spezielle Internetportale. Auch das Bundeskriminalamt berichtet in seinem Lagebild zum Menschenhandel 2021 von einer Zunahme der Wohnungsprostitution. Die Covid-19 bedingten Schließungen der offiziellen Prostitutionsstätten dürften diesen Trend noch beschleunigt haben.

 

Diese Wohnungen sind oft nicht angemeldet und erfüllen nicht immer die Mindestanforderungen gemäß §18 ProstSchG, so fehlen teilweise ein sachgerechtes Notrufsystem oder angemessene Sanitäreinrichtungen.

 

Im Internet werden die Frauen in entsprechenden Portalen wie eine Ware angeboten. Freier können beispielsweise nach Herkunft, Figur, Körbchengröße, Körperbehaarung, angebotenen Services u.v.m. filtern. Dabei werden die Profile häufig nicht von den Frauen selbst, sondern von Zuhältern gemanagt. Häufig wissen sie nicht einmal, was in ihrem Namen angeboten wird. All dies erschwert den Zugang zu den Frauen für Behörden und auch für die Sozialarbeiterinnen. Nichtsdestotrotz bemühen wir uns, kreative Ansätze zu finden, um mit den Frauen in Kontakt zu kommen und Unterstützung anbieten zu können.

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30 Jahre Solidarität mit Frauen in Not in Deutschland

 

Autorinnen: Sr. Dr. Lea Ackermann / Dr. Barbara Koelges / Sr. Annemarie Pitzl

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