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SOLWODI Ludwigshafen: Weiterhin hoher Bedarf an Unterstützung für gewaltbetroffene Frauen

04.​05.​2026

Ludwigshafen. – Die Frauenrechtsorganisation SOLWODI verzeichnet auch im Jahr 2025 einen weiterhin sehr hohen Bedarf an Beratung und Schutz für Frauen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind. Insgesamt wurden 192 Frauen erstmals beraten. Dies entspricht dem Niveau des Vorjahres (198 Erstkontakte im Jahr 2024). Die Organisation bewertet dies weiterhin als hohes Ausmaß an Gewalt gegen Frauen mit Flucht- und Migrationsgeschichte, das nach wie vor eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung darstellt.

 

Die Beratungsstelle unterstützt Frauen im gesamten süd- und westpfälzischen Raum sowie im Rhein-Neckar-Gebiet. Im Jahr 2025 standen insbesondere drei Gewaltformen im Mittelpunkt der Beratungsarbeit: sogenannte Ehrgewalt, Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung sowie weibliche Genitalverstümmelung. Diese stellen die wichtigsten Schwerpunkte der betreuten Fälle dar. Viele Klientinnen wenden sich mit multiplen Problemlagen an die Einrichtung, häufig nach jahrelanger Gewalt- und Kontrollspirale.

 

Die Herkunft der Ratsuchenden ist vielfältig und reicht von Afghanistan, Syrien und Somalia über die Türkei, Bulgarien und Deutschland bis hin zu Kolumbien. Der Großteil der beratenen Frauen gehörte zur Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen.

 

Neben der Beratung spielt auch der Schutz in akuten Gefährdungssituationen eine zentrale Rolle. Im Jahr 2025 konnten über das betreute Einzelwohnen sechs Frauen in einer geschützten Wohnform aufgenommen werden. Die Einrichtung bietet Betroffenen einen sicheren Ort, um Stabilität zu gewinnen und Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben zu entwickeln.

 

Ein Fall aus der Beratungspraxis verdeutlicht die Arbeit der Fachstelle: Aicha wurde unter dem Versprechen einer Ausbildungsanerkennung nach Deutschland gebracht und sollte eine Ehe mit einem älteren Mann eingehen sowie in dessen Betrieb arbeiten, wo sie jedoch ohne Lohn beschäftigt und zusätzlich gegen ihren Willen sexuell ausgebeutet wurde. In ihrer ausweglosen Lage wandte sie sich an eine Beratungsstelle und wurde in ein Wohnprojekt aufgenommen, wo sie zunächst Schutz fand. Da ihr Aufenthalt an den Betrieb gebunden war, wurde gemeinsam mit der Beratung ein neuer Ausbildungsbetrieb organisiert und die aufenthaltsrechtliche Situation geklärt. Aicha konnte später in eine eigene Wohnung ziehen, arbeitet inzwischen in einem festen Arbeitsverhältnis und befindet sich kurz vor dem Abschluss der Berufsanerkennung, während sie weiterhin beratend begleitet wird.

 

„Der Fall von Aicha zeigt sehr deutlich, wie eng Menschenhandel, Zwangsverheiratung und geschlechtsspezifische Gewalt miteinander verknüpft sind“, erklärt Miriam T., Leiterin der Fachberatungsstelle SOLWODI Ludwigshafen. „Viele Frauen werden unter falschen Versprechen nach Deutschland gebracht und geraten anschließend in massive Abhängigkeits- und Ausbeutungssituationen. Umso wichtiger ist es, ihnen schnell Schutz, Stabilität und konkrete Wege in ein selbstbestimmtes Leben zu eröffnen.“

 

Die Fachberatungsstelle arbeitet ganzheitlich: Neben psychosozialer Beratung umfasst das Angebot auch Unterstützung bei Behördenkontakten, Aufenthaltsfragen, Existenzsicherung sowie die Vermittlung in Schutzunterkünfte und weiterführende Hilfen. Ziel ist es, den Frauen einen Weg in ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

 

„Unsere Arbeit zeigt täglich, wie wichtig verlässliche Schutz- und Beratungsstrukturen für betroffene Frauen sind. Nur wenn Sicherheit, Vertrauen und kontinuierliche Begleitung gewährleistet sind, können neue Lebensperspektiven entstehen“, erklärt Miriam T. SOLWODI wird die bestehenden Schutz- und Beratungsangebote konsequent weiterentwickeln, um auch künftig Frauen in besonders schwierigen Lebenslagen wirksam und verlässlich unterstützen zu können.

 

Bild zur Meldung: Symbolbild: Fotostudio Rimbach

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