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SOLWODI Koblenz: Signifikanter Anstieg gewaltbetroffener Frauen bei SOLWODI

28.​04.​2026

Koblenz. – Die Frauenrechtsorganisation SOLWODI verzeichnet für ihre Fachberatungsstelle Koblenz im Jahr 2025 einen Anstieg der Erstkontakte von fast 52 % im Vergleich zum Vorjahr. Dies zeigt, dass Gewalt gegen Frauen weiterhin eine sehr große Gefahr in unserer Gesellschaft darstellt.

 

Im Jahr 2025 konnten 158 Frauen und Mädchen erstmals durch die Fachberatungsstelle unterstützt werden. Die Herkunft der Adressatinnen war vielfältig und reichte von einzelnen europäischen Ländern wie Deutschland, Bulgarien oder Rumänien bis hin zu Herkunftsstaaten in Vorderasien, Afrika sowie Mittel- und Südamerika. Bei fast einem Drittel war die Herkunft zum Zeitpunkt des Erstkontakts noch nicht bekannt.

Die häufigsten Gewaltformen waren Zwangsverheiratung und sogenannte Ehrgewalt, gefolgt von Fällen von Menschenhandel sowie sonstiger geschlechtsspezifischer Gewalt. SOLWODI bewertet die genannten Gewalterfahrungen als Ausdruck patriarchaler Strukturen, in denen viele Klientinnen durch Angehörige unter Druck gesetzt, bedroht und psychischer wie physischer Gewalt ausgesetzt sind.

 

Auch die drei Schutzwohnungen in Koblenz standen im Jahr 2025 durchgehend für junge Frauen zur Verfügung, die besonderen Schutz benötigten. Die Bewohnerinnen leben darin eigenständig und werden gezielt auf ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben vorbereitet.

Ein exemplarischer Fall verdeutlicht die Tragweite der Arbeit: Malti, 21 Jahre alt, wuchs in einem streng patriarchalen Familiensystem auf und war früh von psychischer Gewalt betroffen. Das Risiko, gegen ihren Willen verheiratet zu werden, zwang sie mehrfach zur Flucht. Mit Unterstützung von SOLWODI konnte sie in eine Schutzwohnung ziehen, erhielt Hilfe bei der Stabilisierung ihrer psychischen Gesundheit, beim Aufbau eines sicheren sozialen Umfeldes sowie bei der schulischen und beruflichen Orientierung – entscheidende Schritte zu einem selbstbestimmten Leben. 

“Die steigenden Zahlen und Maltis Fall machen deutlich, dass viele Frauen weiterhin unter massivem Druck und Gewalt leiden – oft im Verborgenen“, erklärt Dr. Maria Decker, Vorsitzende von SOLWODI. „Umso wichtiger ist es, ihnen verlässliche Unterstützung zu bieten, sie zu stärken und gemeinsam neue Lebensperspektiven zu entwickeln.”

Die Fachberatungsstelle von SOLWODI Koblenz begleitet die Frauen ganzheitlich: Dazu gehören psychosoziale Unterstützung, kultursensible Beratung sowie Hilfe bei Behördenkontakten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Förderung langfristiger Perspektiven – etwa durch Schul- und Berufsabschlüsse – und dem Aufbau eines gewaltfreien Lebensumfeldes. 

„Es ist uns wichtig, die Frauen nicht nur zu stabilisieren, sondern sie nachhaltig zu stärken“, so Dr. Maria Decker. „Bildung, Eigenständigkeit und ein gewaltfreies Umfeld sind zentrale Bausteine dafür.“

Neben der direkten Beratung engagiert sich SOLWODI Koblenz auch in der Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Fachkräfte wirken in verschiedenen Arbeitskreisen mit, unter anderem zu den Themen Prostitution und wohnungslose Frauen, in der Initiative „One Billion Rising“ sowie am Runden Tisch zum Thema “FGM/C”. Darüber hinaus wurden zahlreiche öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen durchgeführt, darunter Workshops an Schulen, Tanzdemonstrationen, Informationsstände und eine Benefizlesung. 

Für 2026 plant SOLWODI Koblenz den Ausbau der Präventionsarbeit sowie die Eröffnung eines neuen Schutzhauses. Dieses bietet Platz für bis zu acht jungen Frauen, die besonderen Schutz benötigen. 

 

Bild zur Meldung: Symbolbild: Fotostudio Rimbach

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