Deutsch English
 
BannerbildBannerbildBannerbildBannerbildBannerbildBannerbildBannerbild
Link verschicken   Druckansicht öffnen
 

SOLWODI +++ Aktuell

Newsletter Nr. 28 vom 08.01.2021

 

SOLWODI erreicht für Klientin Familienzusammenführung nach drei Jahren

 

Liebe Freund*innen und Unterstützer*innen,

die beiden folgenden Geschichten in unserem ersten Rundbrief für das neue Jahr machen in besonderer Weise deutlich, welche extremen familiären Auswirkungen Flucht und Migration auf Betroffene haben können. So musste Georgina*, die von einer SOLWODI-Fachberatungsstelle bereits seit vielen Jahren betreut wird, ihren Sohn in Afrika zurücklassen und letztlich unerträgliche 15 Jahre warten, bis sie ihr Kind wieder in die Arme schließen konnte. Kurz vor den Festtagen war es dann so weit: Drei Jahre nach der Antragstellung auf Familienzusammenführung konnte Sohn Frank* endlich zu ihr nach Deutschland einreisen und erstmals auch seine beiden jüngeren Schwestern kennenlernen. 

 
In einem liebevoll eingerichteten Notzimmer können Mädchen wie Lara eine vorläufige Bleibe finden und etwas zur Ruhe kommen.

 

 

Trotz Flüchtlingseigenschaft von Schwester und Mutter zog sich das Verfahren auf Familienzusammenführung mit vielen Hindernissen und schleppender Bearbeitung durch die Behörden sehr lange hin, zuletzt wurde es nochmals durch die Corona-Pandemie verzögert. Für unsere Klientin war dies eine belastende, nervenaufreibende Situation.

Wir danken unserer Anwältin für ihr außerordentliches Engagement in der Sache und dem Flüchtlingsfonds des zuständigen Bistums für die finanzielle Unterstützung. 

 

Auswärtiges Amt erteilt keine Zustimmung zur Familienzusammenführung: 13-jährige Afghanin flieht vor Zwangsverheiratung in die Türkei und sitzt fest 

In einem anderen Fall wartet eine äußerst verzweifelte Mutter noch auf Hilfe. Kurz nach Weihnachten erreichte eine SOLWODI-Fachberatungsstelle eine alarmierende E-Mail, in der die Details der Geschichte geschildert wurden: Eine 25-jährige Afghanin, die bei ihrer Flucht ihre damals 12-jährige Tochter beim Vater zurücklassen musste, erfuhr, dass der Mann die mittlerweile gerade einmal 13-Jährige zwangsverheiraten wollte. Die Mutter war selbst auch als 11-Jährige zwangsverheiratet worden. Sie möchte mit aller Kraft verhindern, dass sich ihr Schicksal bei der eigenen Tochter wiederholt. Das Mädchen befindet sich nach der eigenen Flucht aktuell in der Türkei. Der Vater sucht bereits nach ihr, das Mädchen ist hochgefährdet. Dennoch ist es momentan noch komplett offen, ob und wie sie Hilfe bekommen könnte. Da sie bei ihrer Flucht keine Ausweispapiere oder Geburtsurkunde mitnehmen konnte, müsste erst in einem langwierigen Prozess nachgewiesen werden, dass das Mädchen wirklich die leibliche Tochter der Frau ist. Das Auswärtige Amt hat u. a. deshalb keine Zustimmung zur Familienzusammenführung erteilt.

Dabei wäre es für traumatisierte (minderjährige) Personen besonders wichtig, Stabilität und Schutz bei Familienangehörigen finden zu können, denen sie vertrauen. Beim Familiennachzug muss die Politik die jetzige Gesetzeslage deutlich nachbessern, zumal die Familie in unserer Gesellschaft einen besonderen Stellenwert hat und verfassungsrechtlich durch das Grundgesetz geschützt ist.

Dieser Schutz gilt nicht nur für Deutsche. Wer keine EU-Staatsangehörigkeit besitzt, hat allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit eines Familiennachzugs. Wer Familienangehörige nachholen möchte, muss einen gesicherten Aufenthaltsstatus haben. Für Asylberechtigte und Flüchtlinge (die nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt wurden), die den Antrag auf Familienzusammenführung frühzeitig stellen, gelten erleichterte Voraussetzungen. Dann entfallen die Voraussetzung der Lebensunterhaltssicherung als auch der Nachweis von Deutschkenntnissen.

Doch immer weniger Frauen, die geschlechtsspezifische Gewalt erlebt haben, erhalten Asyl oder werden nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt. Selbst wer diesen Status zuerkannt bekommt, muss dennoch oftmals Jahre warten, bis Angehörige nachreisen können. SOLWODI fordert, Behörden besser zu personalisieren, damit Verfahren zur Familienzusammenführung künftig deutlich beschleunigt werden können.    

Für Personen, denen lediglich subsidiärer Schutz zuerkannt wird, war die Familienzusammenführung in der Vergangenheit sogar - befristet bis Juli 2018 -  ausgesetzt. Seit August 2018 kann die Familienzusammenführung für diese Personengruppe zwar aus humanitären Gründen wieder gewährt werden, jedoch nur für bis zu 1000 Personen pro Monat. SOLWODI sieht diese Zahl als zu gering an und fordert zudem klarere gesetzliche Kriterien für den Familiennachzug.   

 

* Die Namen der Betroffenen wurden aus Sicherheitsgründen geändert

 

Wenn Sie unsere Arbeit finanziell fördern wollen, können Sie das hier tun:

Kreissparkasse Rhein-Hunsrück,

BIC: MALADE51SIM

IBAN: DE02 5605 1790 0001 1270 00       

 

Wir möchten Sie wöchentlich mit „SOLWODI +++ Aktuell“ über wichtige und akute Entwicklungen in unserer Arbeit informieren. Sie finden „SOLWODI +++ Aktuell“ auf unserer Homepage, können den Newsletter aber auch per E-Mail  bestellen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Maria Decker, Gudrun Angelis und Barbara Wellner

 

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 28  SOLWODI erreicht für Klientin Familienzusammenführung nach drei Jahren

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 27  SOLWODI fordert Hilfe für von Zwangsheirat bedrohte Mädchen

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 26  Menschenrechte sind auch Frauenrechte

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 25  Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 24  Humanität muss bei Asylsuchenden weiter möglich sein  

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 23  Betroffene von Menschenhandel werden zu Beraterinnen    

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 22  Lassen wir den Lockdown nicht zum Knock-Down werden!

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 21  Staatsministerin Carolina Trautner im Gespräch mit SOLWODI

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 20  INTAP: Konferenz gegen Menschenhandel mit Beteiligung von SOLWODI

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 19  Tag des Flüchtlings

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 18  Bündnis Nordisches Modell

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 17  Corona-Flickenteppich in der Prostitution

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 16  Langzeitintegration von Menschenhandelsopfern – SOLWODI entwickelt im EU-Projekt LIBES Unterstützungsprogramme

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 15  Ausbeutung von Minderjährigen in Deutschland, Bulgarien und Rumänien

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 14  Bedrohte Opfer langfristig vor Tätern schützen

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 13  SOLWODI untersucht Integration von Menschenhandelsopfern aus Nigeria und China

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 12  Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 11  Internationaler Tag gegen Menschenhandel

SOLWODI+++AKTUELL Nr. 10  SOLWODI-Analyse im EU-Projekt RE-JUST: Lücken im deutschen Strafrechtssystem und ihre Auswirkungen auf Klientinnen

SOLWODI +++ AKTUELL Nr. 9  Eine Perspektive für junge Mädchen

SOLWODI +++ AKTUELL Nr. 8  Mit neuem Vorstand in die Zukunft

SOLWODI +++ AKTUELL Nr. 7  Weibliche Genitalverstümmelung – Verstärkt Abschiebung von Asylsuchenden

SOLWODI +++ AKTUELL Nr. 6  Bundestagsabgeordnete setzten sich für Sexkauf-Verbot ein

SOLWODI +++ AKTUELL Nr. 5  Zunahme häuslicher Gewalt während Corona

SOLWODI +++ AKTUELL Nr. 4  Offener Brief an die Präsidentin der Europäischen Kommission

SOLWODI +++ AKTUELL Nr. 3  Massiver Anstieg der Gewalt gegen Frauen in Kenia

SOLWODI +++ AKTUELL Nr. 2  Corona und die Prostitution – Verbot des Sexkaufs JETZT!

SOLWODI +++ AKTUELL Nr. 1  Wir sind für die Frauen da – Beratung in Zeiten von Corona

Weltkongress 2019

3. WELTKONGRESS gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen

Veranstalter: · SOLWODI Deutschland e.V. · CAP INTL · Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.

Dienstag, 2. April – Freitag, 5. April 2019,

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18

 

Hier finden Sie einen Überblick zum Weltkongress

 

35.220 Unterschriften für ein Sexkaufverbot an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel übergeben

 

RUNDBRIEFE

Kalender

Nächste Veranstaltungen:

20. 11. 2020 bis 31. 05. 2021
 
22. 01. 2021 bis 27. 01. 2021 - 06:00 Uhr