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30 Jahre SOLWODI Rückkehr- und Reintegrationsprogramm

Über 200 begeisterte Menschen nahmen am 22. September im Frauenmuseum Bonn an einer Veranstaltung unter dem Titel „Rückkehr in Würde, Chancen für ein selbstbestimmtes Leben“ zum 30- jährigen Bestehen des Rückkehr- und Reintegrationsprogramms von SOLWODI teil. Dazu findet eine gleichnamige Ausstellung statt, die dokumentarisch, künstlerisch und aus der Sicht der betroffenen Klientinnen auf diese 30 Jahre zurückblickt. Gefördert wird das Programm durch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Das SOLWODI Rückkehr- und Reintegrationsprogramm unterstützt Frauen und ihre Kinder, die in ihr Herkunftsland zurückkehren möchten oder müssen. Das Projekt bietet Einzelfall-orientierte Beratung und Begleitung in Deutschland und – in Kooperation mit Partner-NGOs – auch in den Rückkehrländern. So ist sichergestellt, dass die Frauen auch im Rückkehrland eine Anbindung und Unterstützung erfahren und nicht in vorherige schwierige und gewaltbehaftete Strukturen zurückkehren müssen. Ziel ist es, den Frauen eine Rückkehr in Würde und die Chance auf einen wirtschaftlichen und sozialen Neuanfang zu ermöglichen. Die Frauen können Reise- und Frachtkostenzuschüsse, Ausbildungsstipendien, Zuschüsse für Mietkosten und Schulkosten der Kinder, Förderungen für einkommensschaffende Tätigkeiten u.v.m. erhalten. Mit dieser Unterstützung können sie die ersten Monate nach der Rückkehr überbrücken und werden in die Lage versetzt, im Herkunftsland wieder Fuß zu fassen und ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Zusätzlich bietet SOLWODI in Kooperation mit der IHK Bonn/Rhein-Sieg einen niedrigschwelligen Lehrgang an, in dem die unternehmerischen Fähigkeiten der Frauen aktiviert und diese darin unterstützt werden, eine eigene Geschäftsidee zu entwickeln.

Die Veranstaltung zum 30-jährigen Bestehen des Rückkehr- und Reintegrationsprogramms wurde mit einer Begrüßungsrede von Dr. Elke Löbel, Beauftragte für Flüchtlingspolitik, Leiterin der Unterabteilung Flucht und Migration; Krisenprävention und -bewältigung im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eröffnet, in der sie die gute Zusammenarbeit mit SOLWODI und die Relevanz des Programms gerade unter dem Aspekt der von der Bundesregierung angestrebten feministischen Außen- und Entwicklungspolitik hervorhob. Sr. Dr. Lea Ackermann blickte in ihrem Beitrag auf die Anfänge des Programms zurück. Besonders Gudrun Angelis, Vorstand SOLWODI Deutschland e.V., moderierte die Veranstaltung fesselnd für das Publikum waren die Vorträge von Jelena Mićović (Caritas Serbien) und Elizabeth Akinyi (SOLWOGIDI Kenia), beide Partnerinnen des Rückkehrprogramms, die mit konkreten Beispielen nicht nur ihre Arbeit schilderten, sondern auch die Herausforderungen, welche die Frauen bei der Rückkehr zu bewältigen haben. Charlotte Becker, Leiterin des Rückkehr- und Reintegrationsprogramms bei SOLWODI, gab einen Überblick über den Umfang und die Aktivitäten des Programms. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch musikalische Einlagen des Duos KontraSax und eine Tanzperformance des Nostos Tanztheaters.

Für die Ausstellung waren Künstlerinnen und Künstler eingeladen, ein Kunstwerk zu einem von 10 vorgegebenen Lebensläufen von SOLWODI Klientinnen zu schaffen. Insgesamt bewarben sich 101 Kunstschaffende, von denen 37 von einer Fachjury ausgewählt wurden, sich an der Aktion zu beteiligen. Die Klientinnen, zu denen sie ihre Arbeit erstellt haben, sind entweder wieder in ihre Herkunftsländer oder im Rahmen des Dublins-Verfahrens in das Ersteinreiseland in Europa zurückgekehrt. Die Ausstellung ist in fünf geographische Ausstellungsbereiche (Afrika, Asien, Südamerika, Süd- und Osteuropa) eingeteilt, in denen die Werke derjenigen Künstlerinnen und Künstler präsentiert werden, die sich auf Klientinnen der jeweiligen Region beziehen. Die Arbeiten sind auch auf den Social Media Accounts von SOLWODI Deutschland e.V. (Instagram, Facebook) veröffentlicht, zusammen mit kurzen Statements der Künstlerinnen und Künstler zu ihrem Werk. Zudem haben uns 23 SOLWODI Klientinnen erlaubt, ihren Rückkehr– und Reintegrationsprozess im Rahmen der Ausstellung zu veröffentlichen. Sie lassen die Besucher und Besucherinnen teilhaben, an ihren Glücksmomenten und Erfolgen, an ihren Rückschlägen und an ihrer Verzweiflung, aber auch an ihrer Entschlossenheit und an ihrem bewundernswerten Mut. Eine Klientin etwa ist noch vor Kriegsbeginn in die Ukraine ausgereist, um dort eine Konditorei zu eröffnen, auch sie gibt einen Einblick in ihr aktuelles Leben. Für jede dieser Frauen wurde eine Collage angefertigt, in der fragmentarisch die gesendeten Text- , Foto- oder Videobeiträge zu lesen und zu sehen sind.

In dem dokumentarischen Teil der Ausstellung wird der Frage nachgegangen, was zu einer Flucht geführt hat und was die Gründe sind, warum die Frauen wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren.

 

Bücher

Chronik_SOLWODI

30 Jahre SOLWODI Deutschland 1987 bis 2017 -

30 Jahre Solidarität mit Frauen in Not in Deutschland

 

Autorinnen: Sr. Dr. Lea Ackermann / Dr. Barbara Koelges / Sr. Annemarie Pitzl

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