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TIRAMISU-PREIS "Zieh mich hoch"

Wir gratulieren den Preisträgern 2023: 

Traumapädagogische Gruppe, Antonia-Werr-Zentrum

In der traumapädagogischen Gruppe des Antonia-Werr-Zentrums in St. Ludwig werden Mädchen betreut, die aufgrund belastender familiärer Situationen, psychischer Schwierigkeiten oder traumatisierenden Erfahrungen wie massiver Gewalt oder sexuellem Missbrauch mit sich und ihrem Umfeld alleine nicht mehr zurecht kommen und dringend Hilfe brauchen. Viele dieser Mädchen haben schon mehrere stationäre Maßnahmen hinter sich oder abgebrochen. Das Konzept der traumapädagogischen Gruppe soll diesen Mädchen einen sicheren Ort bieten. Dabei handelt es sich um ein kleines Setting - hier leben 5 Mädchen zusammen - mit einem spezialisierten traumapädagogischen Konzept.

Die pädagogische Grundhaltung der Transparenz und Partizipation unterstützt die Mädchen darin, sich weniger ohnmächtig zu fühlen. Sie erfahren sich als selbstwirksam, werden in ihrem Sein ernst genommen und können somit zunehmend an Selbstvertrauen gewinnen. Durch die "Annahme des guten Grundes" werden sie für ihr Verhalten nicht verurteilt, sondern erleben Unterstützung durch die Pädagoginnen und Pädagogen. Es geht um das "gemeinsame Verstehen" und letztlich um das Erarbeiten "gesünderer" Verhaltensstrategien. Die Mädchen erleben Wertschätzung, Spaß und Freude, sie sind die Expertinnen ihres Lebens, die herausfordernde Umstände gemeistert haben.

Gemeinsam mit den Mädchen werden individuelle Ziele und Zukunftsperspektiven erarbeitet. Die Gruppen ermöglichen den Mädchen die Erfahrung von Teilhabe und Stabilität. Die Strukturen passen sich dabei den Bedürfnissen der Gruppenmitglieder an - nicht umgekehrt!

Für die Arbeit mit Jugendlichen mit herausfordernden Verhaltensweisen braucht es kleine Settings und eine individuelle, auf die jeweilige Person angepasste Vorgehensweise. Mit der Verleihung des Preises an die traumapädagogischen Gruppen des Antonia-Werr-Zentrums möchte die Jury ein Zeichen setzen, dass es viel mehr solcher Initiativen braucht und dass diese auch staatlicherseits entsprechend gefördert werden müssen.

Was ist der Tiramisu-Preis?

Der mit 2.500 € dotierte Tiramisu-Preis wird verliehen für besonderes Engagement in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die herausfordernde Verhaltensmuster zeigen und aus dem gesellschaftlichen Kontext herauszufallen drohen, bzw. sogenannten „Systemsprengern“.

 

Warum vergibt gerade SOLWODI den Tiramisu-Preis?

SOLWODI arbeitet auch mit Jugendlichen, die Not und Gewalt erfahren haben, z.B. Betroffene von Menschenhandel oder angedrohter Zwangsheirat. An zwei Standorten, in Koblenz und Duisburg, unterhalten wir Schutzhäuser, die als Einrichtungen der stationären Jugendhilfe für die Aufnahme von Minderjährigen qualifiziert sind. Wir bieten eine sichere und anonyme Unterbringung für Mädchen und junge Frauen und unterstützen sie darin, das Erlebte zu verarbeiten und neue Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln. Viele der Jugendlichen sind aufgrund der Erlebnisse traumatisiert und es fällt ihnen nicht immer leicht, sich in „normale“ Strukturen zu integrieren. Dabei ist die zugleich kompetente und empathische Unterstützung durch die betreuenden Sozialarbeiterinnen von essentieller Bedeutung.

Auch in den Schutzhäusern für erwachsene Klientinnen sowie in der tagtäglichen Beratungsarbeit betreuen wir häufig Frauen mit ihren Kindern. Nicht selten sind sowohl die Mütter als auch die Kinder von hochgradigen Gewalterfahrungen geprägt. Gerade für die Kinder ist es sehr schwer, wieder vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Entwicklungs- und Verhaltensstörungen sind leider keine Seltenheit.

Daher ist SOLWODI die Arbeit mit herausfordernden Kindern und Jugendlichen durchaus vertraut. Der Tiramisu-Preis wurde durch eine großzügige, zweckgebundene Spende ermöglicht und soll in Zukunft jährlich vergeben werden.

 

Wie erklärt sich der außergewöhnliche Name des Preises?

Tiramisu bedeutet wortwörtlich „zieh mich hoch“. Die beliebte gleichnamige italienische Nachspeise verleiht durch ihre Zutaten Kraft und Energie. Das ist ein Sinnbild für die Arbeit mit herausfordernden Kindern und Jugendlichen. Sie sollen darin unterstützt werden, schwierige und deprimierende Verhältnisse zu überwinden, Resilienz und neue Lebensperspektiven zu entwickeln.

Die verschiedenen Schichten des Tiramisu verdeutlichen die komplexe Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen, die eben nicht nur „schwierig“ oder „destruktiv“ sind, sondern auch ein tiefes Bedürfnis nach Zuwendung und Anerkennung haben.

 

Wer kann sich bewerben?

Beim Tiramisu-Preis geht es nicht darum, wer macht etwas, sondern was wird getan, um Kinder und Jugendlichen zu unterstützen. Daher sind die Bewerbungsmöglichkeiten bewusst breit gefasst:

Der Tiramisu-Preis kann verliehen werden:

  • an Einzelpersonen, Gruppen, Vereine, Stiftungen oder sonstige Organisationen, -

  • an ehrenamtlich oder hauptamtlich Tätige,

  • für die Arbeit mit den oben genannten Kindern und Jugendlichen im Alter bis 21 Jahren,

  • für Regelarbeit, spezifische Projekte oder Aktivitäten bundesweit,

  • für Regelarbeit, spezifische Projekte oder Aktivitäten, die seit mindestens 1 Jahr bestehen und deren Fortführung beabsichtigt ist.

Es sind Vorschläge von Dritten, aber auch Selbstbewerbungen möglich.

 

Wofür wird der Preis verliehen?

Der Preis wird verliehen für besonderes Engagement in mindestens einem der folgenden Bereiche:

  • Soziale Entwicklung: Aufbau stabiler und vertrauensvoller Beziehungen, Förderung der sozialen Teilhabe.

  • Kognitive Entwicklung: Förderung der mentalen Fähigkeiten und konstruktiver Problemlösungsverfahren, erfolgreiche (Re-)Integration in die Kita, schulische Strukturen oder berufsqualifizierende Maßnahmen.

  • Emotionale Entwicklung: Wahrnehmung, Ausdruck und Regulation von Emotionen und Gefühlen, konstruktiver Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen, insbesondere Umgang mit Frustrationen und Aggressionen, Entwicklung eines positiven Selbstbilds und Stärkung des Selbstbewusstseins.

  • Körperliche Entwicklung: Aufbau eines positiven Körperbewusstseins, Bekämpfung von Essstörungen und Selbstverletzungen (z.B. „Ritzen“).

  • Allgemeine Entwicklung: Aufbau von Fähigkeiten und Kompetenzen, die das Selbstbewusstsein und die Eigenwahrnehmung stärken und zu einer reifen und positiven Entwicklung der Person beitragen.

Dabei sollte jedoch immer die ganzheitliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen im Blick sein.

 

Wer entscheidet über die Preisvergabe?

Über die Preisvergabe entscheidet eine mehrköpfige Jury aus Expert*innen in der Kinder- und Jugendarbeit. Der Jury gehören auch Vertreterinnen von SOLWODI und die Stifter des Preises an.

 

Wie kann man sich bewerben?

Für eine Bewerbung füllen Sie bitte den Bewerbungsbogen vollständig aus und schicken ihn bis zum 30.6.2023 an .

Den Bewerbungsbogen können Sie hier herunterladen.

Bei Fragen oder Problemen wenden Sie sich gerne an .

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30 Jahre SOLWODI Deutschland 1987 bis 2017 -

30 Jahre Solidarität mit Frauen in Not in Deutschland

 

Autorinnen: Sr. Dr. Lea Ackermann / Dr. Barbara Koelges / Sr. Annemarie Pitzl

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