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Pressemitteilung: Festnahmen im Milieu des nigerianischen Menschenhandels - SOLWODI fordert mehr Unterstützung der Betroffenen

24. 04. 2024

Pressemitteilung am 24.04.2024

 

 

Festnahmen im Milieu des nigerianischen Menschenhandels

SOLWODI fordert mehr Unterstützung der Betroffenen

 

Koblenz. Im Zusammenhang mit den gestrigen Festnahmen im Milieu der sogenannten „Black Axe Confraternity“ weist SOLWODI darauf hin, dass es neben der strafrechtlichen Verfolgung der Täter unbedingt eine bessere Unterstützung der Opfer von Menschenhandel braucht. „Im letzten Jahr meldeten sich mehr als 330 Frauen bei uns, die von Menschenhandel betroffen waren. 99 dieser Kontaktaufnahmen fanden in unseren sechs Fachberatungsstellen in Bayern statt.“, erläutert Dr. Maria Decker, Vorsitzende der deutschlandweit mit 21 Beratungsstellen vertretenen Frauenrechtsorganisation.

 

„Menschenhandel ist kein Phänomen vergangener Jahrhunderte oder ferner Länder, sondern eine traurige Realität – auch hier in Deutschland. Und die Menschenhändler verfügen über gut ausgebaute Netzwerke, um Frauen über Grenzen hinweg zu schmuggeln.“, so Decker weiter. Viele Betroffene stammen aus Nigeria und werden nach Europa gebracht, um dort sexuell ausgebeutet zu werden. Schon auf dem Weg nach Europa erleben die Frauen Erniedrigung, Hunger und Vergewaltigung. In Italien angekommen werden ihnen Ausweisdokumente, Bargeld und Handys abgenommen. Mit Gewalt und Drohungen gegen sie selbst und ihre Familien in Nigeria werden die traumatisierten Frauen gezwungen, auf dem Straßenstrich anschaffen zu gehen. 

 

Es ist bedauerlich, dass viele Frauen, die es schaffen nach Deutschland zu fliehen, vom deutschen Rechtssystem im Stich gelassen werden. Oftmals erhalten sie keinen gesicherten Aufenthaltsstatus, der ihnen die Möglichkeit geben würde, sich zu stabilisieren und eine Perspektive aufzubauen. Stattdessen werden sie schnell abgeschoben, ohne ausreichende Berücksichtigung ihrer traumatischen Erfahrungen und der Gefahr, die ihnen in ihren Herkunftsländern droht. Nicht selten geraten sie dort erneut in die Hände von Menschenhändlern und durchleben nochmals Gewalt und Erniedrigung.

 

SOLWODI fordert daher eine Sensibilisierung der deutschen Behörden für diese Problematik und eine konsequente Verfolgung von Menschenhandelsdelikten. Im Falle eines Verdachts auf Menschenhandel müssen die betroffenen Frauen einen gesicherten Aufenthaltsstatus erhalten sowie Zugang zu psychosozialer Betreuung und Begleitung. Sogenannte Dublin-Abschiebungen, bei denen die Frauen in das europäische „Ersteinreiseland“ – zumeist Italien – zurückgeschickt werden, sollten bei Verdacht auf Menschenhandel ausgesetzt werden, um die Frauen vor erneuter Gefährdung durch die dort aktiven Mafiavereinigungen zu schützen.

 

SOLWODI steht bereit, um mit den Behörden zusammenzuarbeiten und den Opfern von Menschenhandel die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen. Es ist an der Zeit, dass Deutschland seiner Verantwortung gegenüber den Betroffenen von Menschenhandel gerecht wird und sie nicht länger im Stich lässt. SOLWODI fordert daher eine gesicherte Finanzierung von Schutzunterkünften und Unterstützungsangeboten.

 

Bild zur Meldung: SOLWODI

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