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Pressemitteilung: Weltfrauentag - Keine Gleichstellung der Geschlechter

05. 03. 2024

Pressemitteilung zum Weltfrauentag


Pressemitteilung am 05.03.2024

 

 

Weltfrauentag: Keine Gleichstellung der Geschlechter

Situation in der Prostitution unverändert

 

Koblenz. SOLWODI weist anlässlich des Weltfrauentages am 8. März darauf hin, dass die Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland bei weitem noch nicht erreicht ist. Das Problem zeigt sich laut der Frauenrechtsorganisation insbesondere in der Zahl der schätzungsweise 380.000 Frauen, die sich mehrheitlich unfreiwillig prostituieren oder zur Prostitution gezwungen werden.

 

Zu Objekten degradiert und ihrer Würde beraubt sind Frauen in der Prostitution einer Vielzahl von Gefahren ausgesetzt, darunter Gewalt, Ausbeutung und gesundheitlichen Risiken. Etwa 80 Prozent der Frauen stammen aus Süd- oder Südosteuropa. Aufgrund von Armut und Perspektivlosigkeit kommen sie oft schon in jungen Jahren nach Deutschland und sind durch fehlende Ausbildung und Sprachkenntnisse gezwungen, sich zu prostituieren. Profiteure dieser Notlagen sind Zuhälter, Bordellbetreiber und Freier, die häufig auch nicht davor zurückschrecken, ihre Wünsche bei den Frauen mit Gewalt durchzusetzen. Körperliche und sexuelle Übergriffe sind daher keine Seltenheit. Mit Alkohol oder Drogen versuchen die Frauen, den Ekel und die Angst vor den Freiern zu betäuben.

 

Erschreckend sind auch die gesundheitlichen Folgen. Neben psychischen Beschwerden bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen leiden Betroffene unter Inkontinenz, Infektionen im Unterleib, chronischer Blasenentzündung oder Magen-Darm-Erkrankungen. Aufgrund der meist prekären Lebenssituation sind die wenigsten krankenversichert, was die Situation verschärft. 

 

Mit dem sogenannten Prostituiertenschutzgesetz, das 2017 in Kraft trat, werden Betroffene lediglich verwaltet, besteuert, reglementiert und sanktioniert. Eine Verbesserung der Situation oder gar Schutz vor Gewalt brachte es für die meisten Frauen nicht. In diesem Zusammenhang begrüßen wir den Antrag zur Umsetzung des Nordischen Modells, der am 23. Februar von der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag eingebracht wurde. Das Nordische Modell, das bereits in Ländern wie Schweden, Norwegen und Frankreich erfolgreich umgesetzt wurde, kriminalisiert die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen, während es gleichzeitig die betroffenen Personen, insbesondere Frauen in der Prostitution, entkriminalisiert, unterstützt und ihnen Ausstiegsmöglichkeiten bietet.

 

Wenngleich der Antrag aus der Opposition bei den Parteien der Ampel-Regierung derzeit noch keine Mehrheit findet, so ist die Debatte zur Prostitution in den vergangenen Monaten ein großes Stück weitergekommen. Die Einführung des Nordischen Modells in Deutschland wäre ein wichtiger Schritt hin zu einer gerechteren und sichereren Gesellschaft für alle Frauen und damit zur Gleichstellung der Geschlechter. Denn solange meist männliche Zuhälter und Freier legal Frauen für sexuelle Dienstleistungen anbieten und kaufen können, solange Frauenkörper objektiviert werden, solange besteht in Deutschland keine rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Geschlechter.

 

SOLWODI fordert daher anlässlich des Weltfrauentages 2024 dazu auf, Gleichberechtigung an allen 365 Tagen im Jahr umzusetzen – für alle Menschen in Deutschland. Treten wir gemeinsam ein für eine Welt, in der Frauen frei von Ausbeutung und Unterdrückung leben können.

 

Bild zur Meldung: Foto: Christoph Lodewick für SOLWODI (urheberrechtlich geschützt)

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Autorinnen: Sr. Dr. Lea Ackermann / Dr. Barbara Koelges / Sr. Annemarie Pitzl

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