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SOLWODI-Pressemitteilung zur veränderten Beratung seit der Flüchtlingskrise

30.11.2018

Beratung hat sich seit der Flüchtlingskrise verändert: SOLWODI baut Rückkehr- und Reintegrationsprogramm aus

 

Boppard. Die Beratungstätigkeit der Frauenrechtsorganisation SOLWODI hat sich seit der Flüchtlingskrise stark gewandelt: Alle 18 SOLWODI-Beratungsstellen betreuen vermehrt Flüchtlingsfrauen. Vor allem in den Beratungsstellen in Bayern und Rheinland-Pfalz sind mittlerweile über 50 % der Beratungen sog. Dublin-Fälle. Die Klientinnen sind oftmals Opfer von Menschenhandel und haben Asyl beantragt. Ihnen droht, in letzter Zeit vermehrt, eine Abschiebung ins Heimatland oder in die Erstaufnahme-Länder, überwiegend Italien, Frankreich, Spanien. Seit Beginn der Flüchtlingskrise ist Italien jedoch Kernzentrum des Menschenhandels. Die Frauen werden bereits in ihren Heimatländern oder auf der Flucht Opfer von Menschenhändlern, die sie nach Italien bringen. Dort werden sie der Prostitution zugeführt oder ins Ausland verkauft, überwiegend nach Deutschland. Werden sie von Deutschland aus wieder nach Italien abgeschoben, geraten die Frauen erneut in die Fänge der Menschenhändler, die durch ein gut funktionierendes Netzwerk ihre Opfer leicht wiederfinden.

Eine interne SOLWODI-Auswertung zum Jahresende 2018 zeigt deutlich, dass auch die gravierenden Missstände der Asylpolitik Auswirkungen auf die Beratungstätigkeit haben. So beklagen die Mitarbeiterinnen, dass aufgrund der zügig durchgeführten Abschiebungen die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gewünschten Informations- und Beratungsgespräche kaum mehr möglich sind. Die steigende Zahl der Menschenhandelsopfer kann nur noch schwer identifiziert werden. Die SOLWODI-Beratungsstellen wissen zudem oft nicht, wohin abgeschoben wird. Es bleibt ihnen kaum eine Möglichkeit, nach der Abschiebung zu helfen oder an Hilfsorganisationen vor Ort zu vermitteln.

SOLWODI fordert Bundesinnenminister Horst Seehofer auf, sich für eine verbesserte Kooperation zwischen Beratungsstellen und abschiebenden Stellen einzusetzen und Mitarbeiter von BAMF und Ausländerbehörden besser zu schulen.

Um Frauen, die zurückkehren, effektiv helfen zu können, hat SOLWODI sein Rückkehrprogramm personell und strukturell ausgebaut. Das seit 1992 existierende Programm ermöglicht Migrantinnen aus Entwicklungsländern, mittel- und osteuropäischen Staaten eine Rückkehr in Würde. Durch individuell angepasste Beratung, Orientierungs- und Überbrückungshilfen sowie berufliche Fördermaßnahmen soll eine berufliche und soziale Wiedereingliederung in den Heimatländern ermöglicht werden.

Als Folge der Flüchtlingssituation von 2015 startete das BMZ 2017 das Programm „Freiwillige Rückkehr – Perspektive Heimat.“ Im Rahmen dessen führen nun auch verschiedene SOLWODI-Fachberatungsstellen in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften Informationsveranstaltungen, Informationsgespräche und Beratungen für Flüchtlingsfrauen und Betreuerinnen zu Rückkehrmöglichkeiten durch.

Die SOLWODI-Beratungsstellen sind seit 2015 an die Grenzen ihrer Kapazitäten gelangt und fordern die zwingende Berücksichtigung frauenspezifischer Flucht- und Schutzgründe.

 
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