Fatale Erfolge – Zu viele Rückkehrende? Fördertöpfe sind leer
Koblenz, 14.10.2026 – Der 18. Oktober markiert den Europäischen Tag gegen Menschenhandel. Menschenhandel ist kein Problem ferner Länder, sondern passiert mitten unter uns. Menschen werden mit falschen Versprechungen nach Europa, nach Deutschland gelockt, um hier ausgebeutet zu werden – in der Prostitution, in der Pflege, in Nagelstudios und in vielen anderen Bereichen. Die Frauenrechtsorganisation SOLWODI berät jedes Jahr mehrere Hundert betroffene Personen. Fast alle kommen aus prekären Lebensverhältnissen und sind besonders vulnerabel für Menschenhandel und Gewalt.
Diese Menschen werden in Deutschland ausgenutzt und ausgebeutet – aber das gibt ihnen kein Aufenthaltsrecht. SOLWODI beobachtet beispielsweise, dass derzeit vermehrt Frauen aus Kolumbien und anderen südamerikanischen Ländern mit Touristenvisa nach Deutschland geschleust werden, um sie hier der Prostitution zuzuführen. Fallen diese Frauen bei Kontrollen auf, droht eine schnelle Abschiebung. Dass die Frauen Opfer sind, dass sie vielfach Gewalt erfahren und von ihrem Verdienst kaum etwas gesehen haben, interessiert kaum. Ein Aufenthaltsrecht zumindest aus humanitären Gründen ist nicht vorgesehen.
Jetzt kommt erschwerend hinzu, dass die Fördertöpfe, die rückkehrenden Personen zu einem erfolgreichen Neustart im Herkunftsland und einem menschenwürdigen Leben verhelfen sollten, sich zunehmend leeren. So sind etwa Kolumbianerinnen nur bei wenigen Förderprogrammen antragsberechtigt, darunter das von Frontex finanzierte EURP-Programm (European Reintegration Programme). Dessen Aktivität wurde aber am 02.10.2026 bis auf Weiteres suspendiert. Die Anträge von bereits ausgereisten Frauen, die von Menschenhandel betroffen waren, wurden somit abgelehnt. Offenbar reichen die verfügbaren Mittel angesichts der Zahl der rückkehrenden Personen nicht aus, um den bestehenden Förderbedarf vollständig abzudecken.
Auch SOLWODI führt ein Rückkehr- und Reintegrationsprojekt durch. Ziel ist es, vulnerablen und von Gewalt betroffenen Frauen zu ermöglichen, im Herkunftsland wieder Fuß zu fassen, damit sie nicht erneut in eine Situation geraten, die zu Ausbeutung und Menschenhandel führt. Seit Ende 2025 wird dieses Projekt durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfond (AMIF) der europäischen Union gefördert. Offensichtlich ist der Druck auf in Deutschland lebende Menschen ohne gesicherten Aufenthaltstitel mittlerweile so hoch, dass die Anzahl der Frauen, die das SOLWODI Projekt in Anspruch nehmen möchten, rasant wächst. „Damit reduzieren sich auch bei SOLWODI die für rückkehrende Frauen und ihre Kinder zur Verfügung stehenden Fördermittel deutlich schneller als geplant.“, sagt Greta Tünkler, die Leiterin des Programms. „Wir mussten bereits die Förderhöhen anpassen und eine strengere Auswahl treffen, wen wir überhaupt fördern können.“ Durch den Wegfall des EURP-Programms werden andere Förderprojekte wie das von SOLWODI noch einmal verstärkt nachgefragt.
SOLWODI fordert daher, dass Betroffene von Menschenhandel unabhängig von ihrer Herkunft ein humanitäres Aufenthaltsrecht erhalten. Zudem sollten Förderprogramme für vulnerable Personen, die von Gewalt, Ausbeutung und prekären Lebenslagen betroffen sind, so ausgestaltet sein, dass eine Rückkehr in Würde möglich ist. SOLWODI begrüßt daher alle Anstrengungen, die Lage des EURP-Programms zu klären und, sofern nötig, zusätzliche Mittel für Rückkehrprojekte bereitzustellen. „Die Menschen brauchen eine Perspektive“, fasst es Tünkler zusammen, „der Zirkel von Armut, Ausbeutung und Verschleppung muss durchbrochen werden.“
Bild zur Meldung: Symbolbild: Kathrin Harms, missio