Tiramisu-Preis an das „Haus am Kirschberg“ verliehen
SOLWODI würdigt besonderes Engagement in der Arbeit mit Jugendlichen
Koblenz, 17.09.2026 – am 16. September verlieh SOLWODI Deutschland zum fünften Mal den bundesweit ausgeschriebenen Tiramisu-Preis. Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung im Landesbibliothekszentrum Koblenz wurde die Auszeichnung an Jasmina Schäfer und Pauline Möller vom Haus am Kirschberg – Pädagogisch-therapeutische Intensivgruppe (PTI) in Lauterbach überreicht. Neben einem Fachvortrag von Dr. Maria Decker sorgte „Das trommelnde Klassenzimmer“ der Kinzing Schule Neuwied für das passende Rahmenprogramm.
Mit der mit 2.500 Euro dotierten Auszeichnung, die durch ein privates Spenderpaar finanziert wird, würdigt die Frauenrechtsorganisation SOLWODI herausragendes Engagement in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die vor besonderen Herausforderungen stehen und Gefahr laufen, aus dem gesellschaftlichen Kontext herauszufallen.
Das Haus am Kirschberg begleitet Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 21 Jahren, die aufgrund belastender Lebensgeschichten, psychischer Erkrankungen oder traumatischer Erfahrungen intensive Unterstützung benötigen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Begleitung queerer Jugendlicher sowie junger Menschen mit unterschiedlichen geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen. Gerade im ländlichen Raum ist ein solch diversitätssensibles Angebot von besonderer Bedeutung. Die Preisträgerinnen stellten die Arbeit des Hauses am Kirschberg im Rahmen der Preisverleihung vor und machten dabei deutlich, welche besonderen Herausforderungen und Chancen die Arbeit mit der Zielgruppe mit sich bringt.
Auch Dr. Maria Decker, Vorsitzende von SOLWODI, thematisierte in ihrem Fachvortrag über Schutzeinrichtungen bei SOLWODI, insbesondere im Bereich der Jugendhilfe, den großen Bedarf an geschützten Unterbringungsmöglichkeiten. Bundesweit fehlen weiterhin entsprechende Schutzplätze. Die neue SOLWODI-Jugendhilfeeinrichtung im Großraum Koblenz hat am 1. September 2026 ihren Betrieb aufgenommen. Sie bietet jungen Frauen zwischen 16 und 18 Jahren, die eine geschützte Unterbringung benötigen, einen sicheren Ort. Zu den Zielgruppen gehören unter anderem Betroffene von Zwangsverheiratung, sogenannter Ehrgewalt, Menschenhandel, Zwangsprostitution und weiterer Gewaltformen.
„In unserer Jugendhilfeeinrichtung legen wir großen Wert auf Anonymität und einen ganzheitlichen, trauma- und kultursensiblen Ansatz. Bei uns steht immer die einzelne junge Frau im Vordergrund, die wir dabei unterstützen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu finden“, betont Dr. Maria Decker, Vorsitzende von SOLWODI.
Leider konnte David Langner, Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, aus privaten Gründen nicht an der Preisverleihung teilnehmen. Seine Laudatio wurde daher stellvertretend von einer SOLWODI-Mitarbeiterin vorgetragen. In seiner Rede hob Langner die Bedeutung der Jugendarbeit sowie die kultur- und diversitätssensiblen Ansätze des Hauses am Kirschberg und von SOLWODI hervor.
Mit Blick auf den Weltkindertag am 20. September wird zugleich deutlich, wie wichtig verlässliche Schutz- und Unterstützungsangebote für junge Menschen sind. Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, sicher aufzuwachsen, ihre Persönlichkeit frei zu entfalten und Unterstützung zu erhalten, wenn sie Gewalt oder andere belastende Lebenssituationen erleben. Der Tiramisu-Preis würdigt Menschen und Einrichtungen, die dazu beitragen, jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen und sie auf ihrem Weg zu stärken.
Die Auszeichnung des Hauses am Kirschberg steht zugleich in engem Zusammenhang mit dem Engagement von SOLWODI. Seit mehr als 40 Jahren begleitet der Verein bundesweit Frauen und Mädchen mit Migrations- und Fluchterfahrung, die Gewalt erlebt haben oder von Gewalt bedroht sind. In Fachberatungsstellen, Schutzeinrichtungen erhalten sie Beratung, Sicherheit und Unterstützung auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. In Koblenz liegt der Schwerpunkt der SOLWODI-Jugendhilfeeinrichtung auf der Arbeit mit jugendlichen Mädchen und jungen Frauen, die aufgrund ihrer prekären Lebenssituationen einen besonderen Schutzbedarf haben.
Bild zur Meldung: Milena Alemanno für SOLWODI