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- Solidarity with women in distress! - Solidarität mit Frauen in Not!




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SOLWODI-Fachberatungsstelle und Frauenhaus in Braunschweig

 

 

Statistik Erstkontakte

Kontakte und Beratung
Im Jahr 2015 wurden wir neu von 85 Frauen um Beratung, Begleitung, Unterbringung angefragt. Hinzu kamen 52 Klientinnen, die wir über die Jahreswende 2014/2015 hinaus, zum großen Teil langjährig, beraten und begleiten. In den letzten Monaten des Jahres stiegen Anfragen nach Beratung im Asylverfahren und für Flüchtlingsfrauen an. Die Anfragen erfolgten meist über die Sozialdienste in Asyl- und Flüchtlingsheimen. Zumeist lagen Gewalterfahrungen von Frauen in Partnerschaften, Bedrohung durch die eigene Familie zugrunde.
Ein Schwerpunkt unserer Beratungstätigkeit bildete die Beratung von Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden waren, oder aus der Prostitution aussteigen wollten. Fast immer erfolgte zunächst die Anfrage zwecks Unterbringung oder Wohnungsvermittlung. 
2015 wurden insgesamt 31 Frauen beraten, die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution oder aus Armut oder Mangel an Alternativen in der Prostitution tätig waren. 21 von ihnen wurden im längeren Beratungsprozess begleitet. 
Aus einem Beratungskontakt entwickelte sich eine Rückkehr. Frau S. befindet sich in einer außergewöhnlichen Situation: Gemeinsam mit einer Familie war sie aus Syrien geflüchtet. Sie selbst stammt von den Philippinen und war seit mehreren Jahren als Haushaltshilfe in Syrien tätig. Eine gute Beziehung hatte sich entwickelt, vor allem zu den Kindern der Familie, sodass Frau S. wie ein Familienmitglied gelebt hatte. 
Die Familie war auf ihre Flucht über Spanien nach Deutschland gekommen, um nach Norwegen weiterzureisen. Dort leben Angehörige. Frau S. wurde die Weiterreise untersagt, ein eigenes Asylverfahren war negativ beschieden worden und ihr drohte die Abschiebung nach Spanien, wo sie keine Chance auf einen Aufenthaltstitel hätte. Wir schalteten eine Rechtsanwältin ein und begannen mit einer Rückkehrberatung und Kontaktaufnahmen im Herkunftsland. Nur langsam konnte sich Frau S. mit dem Gedanken auseinandersetzen, zurückzukehren. Bereits vor einigen Monaten erhielt sie folgende Information: Der ältere Bruder hatte sich bei einem Gespräch mit Familienangehörigen geäußert, Frau S. nach einer Rückkehr der Prostitution zuzuführen. Er sehe keine andere Möglichkeit, um weiter mit erarbeiteten Geldern seiner Schwester rechnen zu können. Nun planten wir eine ortsferne Aufnahme von Frau S. in einem Frauenprojekt auf den Philippinen. Erste Kontakte konnten über Sr. Daniela Kubiak, eine Kollegin der SOLWODI-Stelle in Bad Kissingen, hergestellt werden. Ihre Schwesterngemeinschaft arbeitet auf den Philippinen in vielfachen Frauenprojekten. Begleitet wird die Rückkehrplanung auch durch unsere Kolleginnen im SOLWODI-Rückkehrprojekt in Mainz. Frau S. hofft mittlerweile, dass es über die Vermittlung der Mitarbeiterinnen des philippinischen Frauenprojektes später möglich werden könnte, ihre Mutter wiederzusehen. Nach ihr hatte Frau S. immer großes Heimweh. Bereits mit 16 Jahren hatte Frau S. durch Vermittlung ihres Bruders ihr Heimatland verlassen, um das Arbeitsangebot in Syrien anzunehmen. Heute ist sie 24 Jahre.  

Schutzwohnungen 
Unsere der Braunschweiger Beratungsstelle zugeordneten Schutzwohnungen waren 2015 durchgehend belegt. Die Aussteigerinnenwohnung der Stadt Braunschweig, deren Bewohnerinnen von uns betreut werden, hatte ebenfalls eine hohe Belegung. 
Im November übernahmen wir die Beratung einer Klientin, deren Schicksal uns wieder die ausbeuterischen Verhältnisse in der Prostitution deutlich machten: Frau C., 23 Jahre alt, fand den Weg zu uns nach einem Telefonat mit dem Braunschweiger Frauenhaus. Frau C. wollte nach sechs Jahren den Ausstieg schaffen. Sie rief uns aus einer kleinen Braunschweiger Pension heraus an und bat um Aufnahme in eine geschützte Wohnung und Unterstützung beim Ausstieg. Mit ihrem letzten Geld hatte sie sich für eine Nacht in der Pension eingemietet. Trotz aller intensiver Versuche, gelang es uns nicht, eine ortsferne Unterbringung für Frau C. zu organisieren. Alle uns bekannten Plätze waren belegt. So nahmen wir Frau C. vorübergehend in unseren Schutzwohnungen auf, sprachen mit ihr ab, ihr Einkäufe und Spaziergänge in einer ortsfernen Stadt zu ermöglichen, bis wir gemeinsam eine weiterführende Perspektive erarbeitet hätten. 
Die Situation stellte sich so dar: Frau C. ist Deutsche. Sie arbeitete vor ihrem Ausstieg für einen Freund, der sich als ihr Zuhälter betätigte. Sie war nicht krankenversichert. Ihre Papiere und Wertgegenstände waren in der Wohnung des Freundes geblieben. In der Wohnung konnte die Polizei nichts finden. Frau Cs Freund hatte alle Beweisgegenstände aus der Wohnung gebracht. Im Alter von 17 Jahren war Frau C. durch die Mutter in die Prostitution vermittelt worden. 
Frau C. berichtete: Meine Mutter hatte einen Kunden nachts in ein Parkhaus bestellt. Sie stand daneben, als der Mann Geschlechtsverkehr mit mir hatte und kassierte das Geld. Zuvor hatte sie mir Drogen gegeben und gesagt: "Nimm das, dann merkst Du nichts." Die Mutter war selbst drogenabhängig, Frau C. war zum Teil in Kinder- und Jugendheimen aufgewachsen. Die starke Sehnsucht nach einer Familie hatte sie veranlasst, ihre Mutter zu suchen, sich heimlich mit ihr zu treffen. Nach diesem "ersten Mal" arbeitete Frau C. etwa zwei Jahre für die Mutter, dann lernte sie ihren ersten Freund kennen, bekam ein Kind, das mittlerweile beim Vater lebt. Frau C. hatte 4 Entzüge. Als wir sie aufnahmen, war sie im selbstgewählten "kalten Entzug".
Erbärmlich sah die junge Frau aus. Bei einer Größe von 1,80 m wog sie 45 kg. Sie behielt kaum Essen bei sich. Wir sprachen mit ihr über einen begleiteten Entzug in einer Klinik. Frau C. willigte ein, freute sich, eine Chance sehen zu können. Es folgten Telefonate, wir begleiteten sie in eine psychiatrische Klinik. Gespräche mit der AOK waren angebahnt, einen Termin beim Jobcenter hatten wir schnell erhalten. 
Leider musste Frau C. die Erfahrung machen, dass es in der Klinik zu Problemen kam, wegen der noch nicht feststehenden Krankenversicherung. Enttäuscht und in ihrer Situation nicht fähig, diese Spannungen zu ertragen, verließ sie die Klinik und kam zu uns zurück. Wir fanden mit Einbeziehung einer Angehörigen einen neuen Weg. Frau C. ist heute wieder in einer ortsfernen Klinik und versucht sehr aktiv, sich ein neues Leben aufzubauen. 
Sehr betroffen gemacht haben uns die Gesamtsituation und der Leidensweg von Frau C. in der Prostitution. Sie arbeitete in der legalen Prostitution. Sie sagte: "Als deutsche Prostituierte hatte ich den Vorteil, Stammkunden zu haben. Ich konnte mir aussuchen, mit wem ich Umgang haben wollte. Ich habe nicht alles gemacht. Aber ich musste ja für meine Mutter und für alle meine Freunde (es waren 4, die immer auch Zuhälter waren) Geld machen". Frau C. erzählte, es gäbe auf der Straße, auf der sie gearbeitet hatte, mittlerweile ihrer Beobachtung nach nur noch maximal 8 deutsche Prostituierte (ein Anteil von ca. 4%). 
Frau C. erzählte, wöchentlich kämen dort große PKWs an, mit neuen Frauen aus Bulgarien, Rumänien und anderen Ländern. Frau C. erzählte, dass diese Frauen "alles machen", was Kunden wollten. Manchmal hätten sich die Frauen erbrochen. 
Frau C. erzählte uns auch, der Vater ihres Kindes sei der einzige Mann gewesen, der versucht habe, sie aus der Prostitution heraus zu holen, sie habe den Ausstieg damals nicht geschafft, sie konnte nicht loskommen von den Drogen, hatte immer wieder Kontakte zu ihrer Mutter. Frau C. erzählte, Stammkunden hätten ihr Schmerztabletten mitgebracht, denn nach 12-15 Geschlechtskontakten in einer Nacht (am Wochenende) sei sie ganz wund gewesen und nur mit Schmerzmitteln habe sie weiterarbeiten können.  

Öffentlichkeitsarbeit 
Zu 28 Vorträgen und Öffentlichkeitsveranstaltungen wurden wir eingeladen. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen uns wieder in großartiger Weise Mitglieder der beiden SOLWODI-Arbeitskreise Braunschweig und Helmstedt mit eigenen Veranstaltungen (siehe Bericht zur Arbeit der Arbeitskreise). 
2015 war die Anfrage zu Vorträgen vor allem durch das Thema Prostitution/Prostitutionsgesetz geprägt. Der Fachtag in Peine "Stop Sexkauf", veranstaltet durch das Gleichstellungsbüro des Landkreises Peine und SOLWODI Braunschweig, am 25.6., war die größte Veranstaltung zu dieser Thematik. Luca Lehmann vertrat auf diesem Fachtag SOLWODI und unsere Haltung (siehe Bericht, SOLWODI Homepage).  

Mitarbeiterinnen 
Ende 2015 verabschiedete sich unsere langjährige Kollegin Katharina Geck in den Ruhestand. Ihr sei an dieser Stelle Dank gesagt für ihren Einsatz in unserer Beratungsstelle. Wir werden ihre Erfahrungen, die sie aus der eigenen Migrationsgeschichte und ihrem Verständnis der osteuropäischen Gesellschaften einbringen konnte, vermissen. 

Dank 
sagen wir allen, die unsere Arbeit wieder in besonderer Weise unterstützt haben! 
Neben den Mitgliedern der Arbeitskreise sagen wir "Danke" allen ehrenamtlich Mitarbeitenden, die sich engagierten in der Integrationshilfe für einzelne Frauen und Kinder, in der schulischen Unterstützung, bei Nachhilfe und Begleitung. 
Herzlichen Dank auch allen, die uns finanzielle Unterstützung zukommen ließen! Ohne diese vielfältigen Hilfen könnten wir unsere Arbeit nicht leisten!

Für das Braunschweiger SOLWODI-Team, Sr. Paula Fiebag

Bernerstr. 2
38106 Braunschweig
Tel: 0531 - 47 38 112
Fax: 0531 - 47 38 113
braunschweig[at]solwodi.de 

 

 

 

 

 

 



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