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- Solidarity with women in distress! - Solidarität mit Frauen in Not!




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SOLWODI-Fachberatungsstelle und Frauenhaus in Braunschweig

 

 

Statistik Erstkontakte

Team 
Unser SOLWODI-Team in Braunschweig hat sich verändert.
Unsere Kollegin Katharina Geck ging Ende 2015 in den Ruhestand. Sie trug unseren Einsatz seit dem dritten Jahr des Bestehens unserer Beratungsstelle mit. Selbst geboren in Kasachstan mit deutschen Wurzeln, konnte sie sich in besonderer Weise in die Problematiken von Frauen aus den östlichen Ländern Europas hinein spüren. Wir schätzten ihre diesbezüglichen Intuitionen und ihr entsprechendes Fachwissen sehr.   
Seit 15. März 2016 verstärkt Dagmar Paul-Siller unser Team. Sie ist als Sozialarbeiterin bereits viele Jahre in begleitender und aufsuchender Sozialarbeit tätig gewesen. Ehrenamtlich engagierte sie sich in der Arbeit unseres Arbeitskreises in Helmstedt. So gelang ihr ein schnelles Einarbeiten in spezielle Thematiken. Tatkräftig und einfühlsam bereichert sie unseren Einsatz für Frauen in Not.  
Abschied nehmen mussten wir auch von Schwester Gerhardis Heise, die im Dezember 2016 verstarb. Über 16 Jahre wirkte sie ehrenamtlich mit großem Einsatz im „Hintergrund“. Ein großes Herzensanliegen war ihr die Integration der Klientinnen und vor allem die Begleitung der Kinder. Wir bleiben ihr in großer Dankbarkeit verbunden. 

Kontakte und Beratung
In unserer SOLWODI Stelle in Braunschweig arbeiten wir vorrangig in drei Arbeitsfeldern:
Beratungsstelle – Frauenschutzwohnungen – Aussteigerinnenwohnung.
94 Frauen nahmen im Berichtsjahr Erstberatungen in Anspruch, aus denen sich viele weiterführende Beratungen und Begleitungen entwickelten. 43 Klientinnen begleiteten wir außerdem langzeitig, über den Jahreswechsel 2015/2016 hinaus.
Die Notsituationen, aus denen heraus Frauen bei uns Beratung, Hilfe und Sicherheit suchten, waren vor allem

  • Zwangsprostitution und Ausstieg aus der Prostitution
  • Zwangsverheiratung und Gewalt im Namen der „Ehre“
  • Flucht und Asyl
  • Familiäre Gewalt, verbunden mit Aufenthaltsproblemen und der Sorge um Kinder

Ausstieg aus der Prostitution
Verbunden mit der Betreuung der Aussteigerinnenwohnung ist die Begleitung von Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollen.
Frau Paul-Siller übernahm als einen Schwerpunkt ihres Einsatzes die Beratung und Begleitung der Frauen in der Aussteigerinnenwohnung (3 Plätze), die wir in Absprache mit der Stadt Braunschweig seit ca. fünf Jahren betreuen. Diese Aufgabe gestaltet sich arbeitsintensiv und braucht einen „langen Atem“, um mit den Klientinnen neue Wege zu erarbeiten. 
Im Zentrum der Arbeit mit Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollen, stehen

  • Entlastungsgespräche
  • Klärung der Krankenversicherungen/Neuanmeldungen
  • Existenzsicherung
  • tagesstrukturierende Angebote
  • Alltagsbegleitung (Behörden, Ärzte etc.)
  • fehlende Sozialkontakte/sozialer Rückzug
  • Wohnungssuche/Umzüge
  • aufenthaltsrechtliche Klärung
  • Schuldenregulierung
  • Organisation von Sprachkursen 

Zwangsprostitution
Neu bei den Kontaktgründen von Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, registrierten wir den Weiterverkauf von Frauen aus Frankreich. 
Die aktuelle Gesetzesänderung in Frankreich, das dortige Verbot der Prostitution, bringt Veränderung bis nach Braunschweig. Ehemals in Frankreich in der Prostitution beschäftigte Frauen wurden zur Prostitution nach Deutschland gebracht. Während sich in unserem Nachbarland die Überzeugung festigt, dass „Prostitution an sich Gewalt ist“, entwickelt sich Deutschland zu einem „neuen Paradies“ für käuflichen Sex. In den Berichten der Klientinnen und im Miterleben der psychischen und seelischen Verletzungen dieser Frauen, erfahren wir immer wieder, wie wenig das Leben eines Menschen, einer Frau gilt im Verhältnis zu einer übersteigerten Egozentrik, einer Haltung des „Alles ist erlaubt“ und der Einstellung, mit Geld sei alles zu kaufen, mit „gutem“ Recht. Der moderne Sklavenhandel, der Verkauf und Ankauf von Menschen, vor allem von Frauen, zum Zweck der Prostitution boomt! Und Stimmen gegen dieses Unrecht sind in der Öffentlichkeit und Politik kaum hörbar.
Von einem Weiterverkauf betroffen war z.B. Mary N. (Name geändert).
Mary N. ist 30 Jahre alt, kommt aus einem westafrikanischen Herkunftsland, Eltern und Geschwister sind verstorben, zu weiteren Angehörigen hat sie bereits seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr. Mary arbeitete in einem Restaurant. Von einer „Madame“ wurde sie nach Frankreich gelockt. Dort musste sie sich prostituieren, um die Reisekosten abzuarbeiten. Mary weint oft, wenn sie von diesen Jahren berichtet. Sie hatte nicht geahnt, in welcher Arbeit sie in Frankreich tätig sein sollte. Sie erzählt von den abnormen Wünschen der Kunden, den drohenden telefonischen Anweisungen aus ihrem Heimatland, der Härte der Zwischenhändler. Nach 2 Jahren wird sie nach Hannover gebracht. Kurz vor der „Übergabe“ kann sie fliehen. Mit Hilfe eines Passanten am Bahnhof Hannover kommt sie zu SOLWODI nach BS. In ihrer Not spricht sie mehrere Passanten an, fragt um Hilfe. Einer der Angesprochenen interessiert sich für ihr Schicksal, versteht ihr aufgeregtes Sprechen in der englischen Sprache mit starkem afrikanischem Akzent. Er findet mit Einsatz seines Smartphones SOLWODI. Er kauft Mary eine Fahrkarte und schenkt ihr Geld für ein Taxi in Braunschweig. Mit ihrem kleinen Koffer steht die junge Frau vor unserer Beratungsstelle. Es folgt eine Aussage bei der Polizei und wir erleben eine reibungslose Zusammenarbeit entsprechend des Kooperationsvertrages mit Polizei und Behörden. Mary lebt heute in einer geschützten Wohnung. Trotz großer psychischer Belastung ist sie froh, in Sicherheit zu sein, neue Perspektiven für ihr Leben erarbeiten zu können.

Opfer der Loverboy-Methode
Immer wieder begegnen uns unter den Klientinnen, die aus der Prostitution aussteigen wollen, Frauen, die über eine vermeintliche Liebesbeziehung in die Prostitution gelangen, so z.B. Vera N. (Name geändert):
Vera N. ist in Deutschland geboren, als Kind von Einwanderern. 2011 kam sie durch „Freunde“ an Drogen. Es begann die Zeit der „Feie­rei“, wie sie es nannte. Sie begann sich zu prostituieren, um Drogen kaufen zu können. 2012 wurde sie von Loverboy Antonio „übernommen“. Er organisierte die „Arbeit“ und nahm ihr alles Geld ab. Ca. 3 Jahre schaffte sie für ihn in München an, hoffte auf die große Liebe, ein gemeinsames Leben.
Dann gelingt es ihr, sich zu trennen. Sie geht zu den Eltern zurück, erfährt Unterstützung durch eine Hilfsorganisation. 2015 lernte sie „Steven“ kennen. Auch für ihn musste sie in der Prostitution Geld verdienen. Als Druckmittel für den Einstieg benutze er einen Geldbetrag, den sie sich von ihm geliehen hat. Vera bricht alle Hilfskontakte ab. Steven organisierte ihren Einsatz in der Prostitution (Anmeldung im Internet, Anmietung Wohnung etc.). Auch ihm gibt sie alles ab. Heute vermutet Vera, dass beide Männer, denen sie vertraut hatte, sich kannten. Von Steven ist sie geflohen. Er droht bei Bekannten, dass er sie suchen will.

Flucht und Asyl
Seit Anfang 2016 meldeten sich vermehrt Frauen (20 Klientinnen), die wir in der Asylantragsstellung unterstützen. Es sind Frauen mit frauenspezifischen Gewaltproblematiken. Auch Frauen, die in der Regel in Asylunterkünften leben, brauchen besondere Betreuung. Die Anfragen erfolgen über die Sozialdienste oder Ehrenamtliche in den Asylheimen und Aufnahmestellen. Viele Fahrtzeiten wurden für uns erforderlich. Ende 2016 begleiteten wir aktuell sieben Frauen im Asylverfahren bzw. in der Vorbereitung für einen Asylantrag.
Eine aktuelle Umstrukturierung erschwert zusätzlich unseren Einsatz für Frauen im Asylverfahren. Seit August 2016 finden in der LAB Braunschweig keine Erstanmeldungen und Registrierungen mehr statt. Für den Gesamtraum Niedersachsens existieren zurzeit nur die Registrierungsstellen in Bad Fallingbostel und Bramsche.
Für uns bedeutet dies hinsichtlich der Antragstellungen eine große Umstellung. Erste Asylantragstellungen begleiteten wir mittlerweile in Bramsche, konnten zwei Mal eine Umverteilung in den Raum Braunschweig erreichen, aufgrund der bereits bestehenden therapeutischen und begleitenden Bezüge. Wir profitierten in der Kontaktherstellung in die LAB Bramsche von den dortigen guten Vorerfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen der SOLWODI-Beratungsstelle Osnabrück.

Neue Kontakte zu ehemaligen Klientinnen
Vier Mal nahmen 2016 Frauen zu uns neu Kontakt auf, die wir bereits vor einigen Jahren beraten und begleitet hatten. Die Frage, die für uns aktuell bleibt: Wie können wir Klientinnen stärker unterstützen, aus traditionellen Rollenbildern herauszufinden, wenn diese die Freiheit verhindern. 
Raja N. (Name geändert) hatte ihre Tochter im Heimatland zurücklassen müssen. Raja lernte, nachdem sie aus unserer Schutzwohnung ausgezogen war, einen Mann kennen, der sie zu unterstützen schien. Nach der Eheschließung war die 17-jährige Tochter  in Gefahr, vom Stiefvater zwangsverheiratet zu werden. Raja war verzweifelt. Sie hatte drei weitere Kinder bekommen, zu denen der Vater sehr liebevoll sei. Nur ihre älteste Tochter hätte er nie als Kind annehmen können. Nun wolle er sie „loswerden“, da sie „störe“.     

Schutzwohnungen
Die Plätze in unseren Frauenschutzwohnungen sind durchgehend belegt. Somit wird die Wohnungssituation in der Stadt, in der kleine preisgünstige Wohnungen fehlen, für uns ein großes Problem. Wir waren mit sieben Klientinnen zum Teil über Monate auf Wohnungssuche. Die Folge ist, dass es kaum möglich war, neue Frauen aufzunehmen.
Auch aus diesem Grund gestalten sich Begleitungen im ambulanten Bereich intensiver, erfordern mehr Zeit. Fünf Klientinnen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, besuchen und beraten wir zusätzlich in den umliegenden Frauenhäusern und begleiten sie von dort aus. Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen in den Frauenhäusern gestaltet sich gut, trotzdem bedeutet diese Begleitung eine große zeitliche Belastung.
Drei Klientinnen in den betreuten Wohnungen begannen 2016 mit einer Psychotherapie. Gerade in den ersten Wochen und Monaten erlebten wir sie stark gefordert von den Gesprächsinhalten. Eine der Frauen brach die Therapie nach drei Monaten wieder ab, sie konnte sich (noch) nicht mit ihren Erlebnissen in der Zwangsehe und mit massiven Gewalterfahrungen in der eigenen Familie auseinandersetzen. Es folgte eine starke Depression mit Suizidgedanken. Für uns wurde wieder einmal erlebbar, wie zerbrechlich eine neu erworbene Stabilität sein kann. Die erneute Stabilisierungsphase ist bei der betroffenen Frau noch nicht abgeschlossen.  

Öffentlichkeitsarbeit und Dank
Zu vielen Einzelvorträgen waren wir auch 2016 unterwegs und gestalteten gemeinsam mit den SOLWODI-Arbeitskreisen Öffentlichkeitsprojekte. Wir verweisen hier auf den Bericht über die Arbeit der Arbeitskreise in diesem Gesamt-Jahresbericht.
Besonders dankbar sind wir vielen Personen und Gruppen, die uns regelmäßig seit Jahren in unserer Arbeit finanziell unterstützen und unsere Öffentlichkeitsarbeit mittragen, allen, die sich gemeinsam mit uns für die Rechte von Frauen einsetzen!
Unser großer Dank gilt auch allen, die ehrenamtlich für einzelne Frauen und Kinder im Einsatz sind: in deren Begleitung, durch Integrations- und Lernhilfen. Ihnen allen ein herzlicher Dank. Unsere Gesamtarbeit in Braunschweig und über diese Stadt hinaus könnte nicht von uns allein getragen werden, wenn es Sie alle nicht gäbe!

Für das Braunschweiger SOLWODI-Team, Sr. Paula Fiebag

Bernerstr. 2
38106 Braunschweig
Tel: 0531 - 47 38 112
Fax: 0531 - 47 38 113
braunschweig[at]solwodi.de 

 

 

 

 

 

 



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