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- Solidarity with women in distress! - Solidarität mit Frauen in Not!




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SOLWODI-Fachberatungsstelle in München

Statistik Erstkontakte

 

Kontakte und Beratung
2016 haben sich 274 Frauen an unsere Beratungsstelle gewandt. Über die Hälfte der Frauen kam aus Afrika. Etwa jede dritte Frau musste intensiv betreut werden. Allein 90 Betroffene standen im Verdacht, Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung zu sein. Das heißt, bei diesen Frauen vermuteten wir, dass sie, meist in einem anderen europäischen Land, zur Prostitution gezwungen wurden. Vorwiegend Frauen aus Nigeria wurden mit Versprechungen nach Europa gelockt, hier ein besseres Leben führen zu können und endeten dann auf dem Straßenstrich oder in Bordellen.
Für diese Klientinnen ist es besonders schwer, sich zu öffnen und ihre Geschichte zu erzählen, weil sie große Schuldgefühle, Scham und Angst empfinden. Zudem bindet sie meist ein Schwur, den sie in der Heimat geleistet haben, der sie daran hindert, sich an jemanden zu wenden und um Hilfe zu bitten. Da wir aus dem Vorjahr über 80 Frauen in der Weiterbetreuung hatten, ging unserem Team die Arbeit nicht aus. 2016 war auch deshalb sehr arbeitsintensiv, da nach langem Warten viele Anhörungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge durchgeführt wurden. Die Entscheidungen stehen zwar größtenteils noch aus, doch ein Trend zeigt sich: Nicht jede von uns betreute Frau bekommt einen Aufenthalt und Opfer aus dem Menschenhandel erhalten nicht automatisch einen subsidiären Schutz. Was den Frauen in Europa passiert ist, interessiert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht. Das Bundesamt argumentiert, dass eine Rückkehr in das Heimatland durchaus zumutbar ist. Die Betroffene könne dortige Hilfsangebote annehmen und in einen anderen Landesteil zurückkehren. Für uns sind diese Entscheidungen nur schwer zu ertragen, weil jegliches Verständnis für die traumatischen Erfahrungen, die die Frauen in der Prostitution erlebt haben und mit denen sie leben müssen, fehlt. Natürlich gibt es in unserem Rechtssystem die Möglichkeit, gegen diese Entscheidungen Einspruch zu erheben, aber bis die Gerichte entscheiden, dauert es wieder eine lange Zeit. Die Frauen leben wieder in Unsicherheit. An eine selbstbestimmte Zukunft ist für sie nicht zu denken. Sollte dann erneut eine Ablehnung erfolgen, haben diese Frauen Jahre verloren. Zum Teil haben sie seit mehr als zehn Jahren keinen Kontakt mehr zu dem Land, in das sie zurückkehren sollen.
Ausgebeutet, missbraucht und schwer traumatisiert überlässt man dann diese Frauen ihrem Schicksal, zurückgeschickt in eine Heimat, wo die Verelendung droht. Abgeschoben in ein Land, das sie nicht mehr kennen, in eine Gegend ohne familiäre Strukturen, in einen Staat mit hoher Arbeitslosigkeit, wenig Rechten für Frauen und korrupten staatlichen Systemen. Was sie mitnehmen, sind Erinnerungen an sexuelle Ausbeutung, Gewalt und Demütigungen. Unter diesem Gesichtspunkt müssen wir uns vielleicht von den Begriffen christliches Abendland und Humanismus endgültig verabschieden.

 

Projekte

 

Flow Motion: Bewegung und Entspannung für Klientinnen
Jeden Montagabend treffen sich in unseren Büroräumen einige Klientinnen von uns. Unter professioneller Anleitung von zwei Yogalehrerinnen lernen sie, wie sie mittels Atemübungen und leichten körperlichen Übungen Stress abbauen können. Dies soll ein Schritt hin zur Normalität sein. Die meisten Frauen leben in prekären Verhältnissen und leiden sehr oft an posttraumatischen Belastungsstörungen.

Besuch in Prostitutionsstätten
Eine Mitarbeiterin von SOLWODI München und zwei ehrenamtliche Begleiterinnen besuchten im vergangenen Jahr 17 verschiedene Prostitutionsstätten in München. Das Ziel: Kontakt aufnehmen, den Frauen zeigen, dass sie uns wichtig sind, dass wir sie nicht vergessen. Mit kleinen Geschenken wird der Kontakt hergestellt. Die Gespräche sind meist kurz, wir stellen keine indiskreten Fragen, doch wir bieten ihnen an, sie bei einem Arztbesuch zu unterstützen, vor allem, wenn sie keine Krankenversicherung haben. Bei den meisten Frauen blieb es bei dem ersten Kontakt, einige Frauen haben einen weiteren Kontakt gewünscht. Wir lassen unsere Telefonnummer nur zurück, wenn die Frauen es wünschen. Über den Besuch haben sich alle Frauen sehr gefreut. Es ist erstaunlich, wie leicht man in die Häuser kommt, wie offen einige Frauen sind. Von denjenigen, die etwas mehr geredet haben, erfahren wir, dass sie wegen ihrer Familien auf diese Weise Geld verdienen wollen. Im Allgemeinen scheinen die Familien nichts von ihrer Tätigkeit zu wissen. Ein „Beruf wie jeder andere“ ist es für die Frauen gewiss nicht. Die Ost-Europäerinnen sind am stärksten vertreten. Von 95 Frauen kommen 70 aus Osteuropa. Deutsche Frauen haben wir vier angetroffen. Über das Alter der Frauen kann man nichts Sicheres sagen, aber wir hatten den Eindruck, dass die meisten über 21 Jahre waren. Im Allgemeinen mieteten die Frauen ein Zimmer für bis zu 190 € pro Tag. Es scheint, dass sie die Häuser und die Stadt leicht wechseln. Vieles ist noch unklar, es wird noch dauern, ehe wir uns in der Szene auskennen.

 

Aufsuchende Beratung in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge
Zweimal in der Woche besuchen Mitarbeiterinnen von SOLWODI München Frauen in ihrer ersten Unterkunft in Deutschland. Vor Ort stellen wir uns vor und machen die Bewohnerinnen auf unser Angebot aufmerksam. Wir verteilen Flyer, die darüber informieren, wie sie Kontakt aufnehmen können. Die Bitte, uns anzurufen, wenn sie frauenspezifische Fluchtgründe und einen besonderen Hilfebedarf haben, wird oft erfüllt. Bewusst sprechen wir die Frauen in der Unterkunft nicht auf Probleme an, denn meist sind die Zimmer mehrfach belegt und dieser Rahmen erlaubt keine privaten Gespräche.
In unseren Büroräumen können wir für eine angenehme Atmosphäre sorgen und bei Tee oder Kaffee nehmen wir uns Zeit, auf die Sorgen und Nöte der Frauen einzugehen. Um ihnen helfen zu können, müssen sie ihre Geschichte erzählen und im Regelfall ist diese von Gewalt und insbesondere von sexualisierter Gewalt geprägt. Nur im geschützten Raum ist es den Frauen möglich, sich zu öffnen und nicht einmal dann können einigen Frauen alles erzählen, so schrecklich sind die Erlebnisse.

 

Wohnprojekte
Immer wieder gibt es Fälle, wo es einer geflüchteten Frau nicht möglich ist, in der ihr zugewiesenen Unterkunft zu leben. Einen Platz im Frauenhaus zu bekommen oder in einer betreuten Wohneinrichtung, ist besonders in München schwer. Deshalb war es uns ein großes Anliegen, Plätze zur Verfügung zu stellen, wo besonders belastete Frauen Sicherheit und Geborgenheit finden. In München konnten wir eine Wohnung für eine Frau mit Kind und eine große Wohnung für vier Frauen anmieten. Intensiv betreut, versuchen wir die Frauen auf ihr Leben in der deutschen Gesellschaft vorzubereiten.

 

Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit
Trotz all der täglichen Arbeit sind wir zur Teilnahme in verschiedenen Arbeitskreisen verpflichtet, denn nur so ist es uns möglich, in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die sich um Frauen kümmern, die optimale Unterstützung für unsere Klientinnen zu erreichen. Ein Austausch in der Fachbasis Asyl bringt uns immer wieder auf den neuesten Stand der Dinge und eröffnet Hilfen in vielen Bereichen. Im Zusammenschluss mit anderen Organisationen versuchen wir eine bessere Unterbringung und Versorgung für Flüchtlingsfrauen zu erreichen. Wir werden nicht müde, darauf hinzuweisen, welche Bedingungen und Standards notwendig sind, um die Sicherheit der Asylbewerberinnen zu gewährleisten. Dazu ist es notwendig, dass wir die Themen Frauen auf der Flucht, Frauen in der Zwangsprostitution und Frauen, betroffen von sexualisierter Gewalt, vorstellen.
In Vorträgen an Schulen, Hochschulen und bei einigen Vereinen und Verbänden versuchen wir das Publikum für die Probleme der Frauen zu sensibilisieren. Nur wenn viele Menschen erfahren, dass es in Europa Menschenhandel gibt, dass Prostitution kein Gewerbe ist wie jedes andere, dass die Rechte der Frauen in vielen Ländern der Welt nicht gewahrt werden, kann eine Veränderung in Gang gesetzt werden.

 

Freunde und Förderer
Zum Schluss möchten wir uns herzlich bedanken bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern unserer Fachberatungsstelle. Mittlerweile können wir auf die Mitarbeit von einer festen Gruppe Ehrenamtlicher zurückgreifen, wenn wir Hilfe für unsere Klientinnen brauchen, sei es zur Begleitung zu Ärzten, Behörden oder zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, sei es für individuellen Deutschunterricht oder auch zur Hilfe im Alltag einer Klientin.
Auch finanzielle Hilfe bekommen wir von vielen Menschen. Mal kommt jemand einfach vorbei und gibt uns 100 €, andere spenden regelmäßig pro Monat. Durch eine sehr großzügige Spende ist es uns gelungen, unsere Wohnprojekte zu verwirklichen. Es würde zu weit führen, alle Menschen aufzuführen, die uns 2016 selbstlos geholfen haben. Aber wir freuen uns über jede Hilfe und Unterstützung, die wir bekommen, zeigt sie doch, dass unsere Arbeit wichtig ist und von vielen Seiten geschätzt wird. Deshalb nochmals vielen Dank.

 

Gabriele Höbenreich-Hajek, Petra Frank,
Claudia Ramseger, Irmtrud Schreiner und Stephanie Wagner

 

 

Dachauer Str. 50
80335 München
Tel.: 089/27275859
Fax: 089/27275860
muenchen[at]solwodi.de

 

 

 

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