Nicht in der Ohnmacht verweilen und sich von Mächtigen bestimmen lassen. Hinausgehen, einen Beruf ergreifen und für eigene Anliegen selbst eintreten. "Dazu wollen wir ohnmächtige Frauen ermächtigen", betonte Sr. Lea Ackermann bei einer Diskussionsrunde auf der Rheinland-Pfalz-Bühne im Rahmen der BUGA Koblenz.
Mit von der Partie war auch Prof. Dr. Fritz Köster, der SOLWODI seit den Anfängen 1985 begleitet. Er glaubt, dass sich Männer und Frauen auf ihre ganz persönliche Art emanzipieren und versuchen sollten, bestimmte Weltverhältnisse besser zu machen. Pater Köster setzt dabei auf zwei Ebenen: "Von unten muss das Selbstbewusstsein wachsen und von oben – auf Ebene der Vereinten Nationen – müssen deklarierte Menschenrechte umgesetzt sowie Verstöße dagegen geahndet werden."
Emanzipatorische Fortschritte wurden durchaus gewürdigt im Laufe der Diskussion. Frauen in einer Beziehung werden zunehmend zu Partnerinnen und Männer erkennen, dass sie mit einer Partnerin ein erfolgreicheres Leben führen als mit einem Anhängsel. In Bezug auf die als Gewerbe betriebene Prostitution sieht Sr. Lea Ackermann Änderungsbedarf. Wie in Schweden müsse auch in Deutschland die Nachfrage von Freiern nach sexuellen Dienstleistungen insbesondere von zwangsprostituierten Frauen unter Strafe gestellt werden: "Es kann nicht sein, dass eine Hälfte der Bevölkerung die andere Hälfte aufkaufen kann." Das Ziel formuliert die Ordensschwester wie folgt: "Die Hälfte des Himmels den Frauen. Die Hälfte der Erde den Frauen. Die Hälfte der Macht den Frauen."
Auf die Frage nach den Werten schließlich fokussierte Pater Köster die Diskussion. Die Wertvorstellungen bestimmten wesentlich die Situation und das Klima in der Gesellschaft. Bei manchen drehten sich diese vorwiegend um Geld, Essen, Trinken und Sex. Dabei stünde vielmehr die Überlegung an, was mit der Menschenwürde gemeint ist und wie darauf aufbauende Wertvorstellungen durchsetzbar sind. Der Theologieprofessor will dabei das konstruktive Engagement vieler Initiativen geschätzt wissen, anstatt ausschließlich noch ungelöste Probleme in den Fokus der Betrachtungen zu stellen. Er will, dass der "Weizen mitten im Unkraut" wächst.
| < Vorheriger | Zur Übersicht | Nächster > |