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Mit Unterstützung der Aktion Mensch war es möglich in Ludwigshafen und Berlin SOLWODI Fachberatungsstellen einzurichten. Seit dem 01.04.2009 fördert Aktion Mensch für einen Zeitraum von drei Jahren das "Projekt Lilja - Aufsuchende Arbeit und Kontaktstelle für Prostituierte in Oberhausen".
Lotto Rheinland-Pfalz unterstützt seit 2007 die Arbeit von SOLWODI.
Die Princess Inaara Foundation unterstützt seit einem Besuch der Begum Inaara Aga Khan im Oktober 2005 die Arbeit von SOLWODI.
Seit 1998 ist diese Website ein Sponsoringprojekt der agentur makz für den Verein SOLWODI.
Von Rüdiger Wala
Als Kind gerät Nadia* in die Fänge von Zuhältern. Sie wird missbraucht, geschlagen und zur Prostitution gezwungen. Der Bericht verdeutlicht auf grausam anschauliche Weise den Handel mit der Frau als Ware.
Was sollte ein junges Mädchen mit zwölf Jahren machen? Zur Schule gehen, sich mit Freundinnen treffen und Hobbys haben, in einer liebevollen Familie aufwachsen. Nadia* ging in die Hölle. Sie wurde verkauft. An einen "Onkel". Von der eigenen Mutter.
Eine Schule hat Nadia, die in einem kleinen rumänischen Dorf geboren wurde, nie gesehen. Lesen und Schreiben kann sie bis heute nicht. Dafür weiß sie, was Männer mit Mädchen und Frauen machen können. Nadia atmet tief durch, streicht sich kurz über ihre Arme. Sie sind mit kleinen runden Narben übersäht. Sie stammen von brennenden Zigaretten.
Nadia beginnt zu erzählen. "Ich dachte, ich kriege Liebe", sagt sie. Aber es gab kaum einen Tag, an dem sie nicht missbraucht wurde: "Einmal sogar von vier Männern gleichzeitig." Ihre Hände sind zu Fäusten geballt, die Knöchel färben sich weiß. Sie ist jung, Männer zahlen gut für sie. Für die Mutter fallen ein paar Lei und Bani ab: "Das ist das Einzige, was sie immer von mir wollte – Geld." Den Reibach macht ihr Zuhälter. So wird es viele Jahre bleiben. Wenn sie aufmuckt, wird mit dem Tod der Familie gedroht. An der hängt Nadia, obwohl sie von ihr verkauft wurde: "Ich hatte ja Niemanden anders."
Mit 14 wird sie schwanger. "Es wurde mir dann gesagt: Wenn du das Kind nicht wegmachst, machen wir deine Familie tot." Nadia trieb ab.
Mit 18 kommt sie nach Deutschland – mit anderen Mädchen, die ihr Zuhälter gekauft hat. Zum Teil werden sie an andere verhökert: "Ja, so war das: da kommt einer und sagt, dass er das Mädchen haben will und dann wird verhandelt." Nadia bleibt bei ihrem Zuhälter. Sie bringt gutes Geld, wenn sie arbeitet. "Ich habe für ihn alles gekauft, ein Auto, Möbel, die Wohnung renoviert, alles Mögliche." Auch ihrer Familie schickt sie weiter Geld. Kann Nadia nicht arbeiten, gibt es Schläge – mit Gürteln, überallhin, nur nicht ins Gesicht. Das wäre schlecht für das Geschäft.
Nadia macht alles: Sie schafft in Bordellen an und in so genannten Laufhäusern – in zum Teil auch gediegenen Stadtvierteln gelegenen Häusern, in denen sie ein Zimmer anmieten muss und bei offener Tür auf Freier wartet. "Ich habe auch Bus gemacht", erzählt sie weiter. In einem kleinen Wohnmobil auf einem Parkplatz an einer Bundesstraße wartet sie auf Kundschaft. Das Ausbeutungsmodell ist immer das gleiche: Bus oder Zimmer muss sie zu horrenden Preisen mieten. Ein Bus kostet sie beispielsweise 210 Euro. 30 Euro gibt es für die "Nummer" am Straßenrand. Sieben Kunden braucht sie allein, um den Bus zu bezahlen.
Sie kommt herum in der Republik. Gelsenkirchen, Düsseldorf, später Hannover. Freier wünschen gerne was Neues. Für Nadia bleibt alles beim Alten. Sie magert auf 35 Kilo ab.
Dann lernt sie Peter* kennen. Er arbeitet schon lange im Milieu, überwacht Laufhäuser, fährt "die Mädchen" zu Kunden und macht noch andere Dinge, an die er sich lieber nicht erinnern möchte. Eigentlich hat er mal Automechaniker gelernt, aber die Halbwelt aus nackten Frauen, schnellem Geld, Alkohol und Drogen, fasziniert ihn. Allerdings nur kurz: "Der Reiz ist schnell verflogen, hängen geblieben bin ich aber doch", meint er.
Sie fühlen sich zueinander hingezogen. Peter übernimmt bestimmte Fahrten oder Überwachungen, nur um Nadia nah sein zu können: Mindestens zehnmal versuchen sie einen Absprung, immer scheitert es. Nadia kehrt zu ihrem Zuhälter zurück. "Ich kannte seit ich ein Kind war, doch nichts anderes", beschreibt sie ihre Anhänglichkeit. Die Angst vor etwas Neuem, Unbekanntem war viel zu groß. Erst als Nadia schwanger wird, können sich beide aus dem Milieu lösen. Über die genauen Umstände schweigt Peter dann doch lieber. Nur so viel: "Ich weiß so viel über Leute aus dem Milieu, dass man uns in Ruhe lässt."
Noch ein Blick zurück: Gab es eigentlich Freier, die sie halbwegs anständig behandelt haben? Nadia schüttelt nur den Kopf. "Es gibt keine Netten", sagt sie. Peter wird deutlicher: "Es gibt drei Arten von Freiern: Perverse, Arschlöcher und große Arschlöcher – muss ich noch mehr sagen?" Er tut es: "Nadia ist gewürgt und geschlagen worden, es geht doch nur um Macht." Ein Stück Fleisch, das sind die Frauen für die Freier. Mehr nicht.
Nachts kommen immer wieder Erinnerungen hoch, erzählt Nadia: "Ich habe schlimme Alpträume." Vor allem träumt sie, dass ihr ihre Tochter weggenommen wird. "Dann muss ich gleich nachsehen, ob alles in Ordnung ist." Sie weiß, ohne die Kleine hätte sie den Absprung wohl nicht geschafft.
"Ich möchte einfach nur in Ruhe leben, mit Peter, mit unserer Tochter", sagt Nadia. Lesen und Schreiben lernen, wenn die Kleine etwas größer ist, auch zur Schule gehen und vielleicht sogar eine Ausbildung machen. Auch Peter hofft auf einen Job. Kommt bei einer Bewerbung das Gespräch auf sein Vorleben, ist es schnell vorbei mit der Hoffnung. Sie geben aber nicht auf. Sie wünschen sich ein ganz normales Leben. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
*Name geändert
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