Sr. Dr. Lea Ackermann: "Stoppt die moderne Sklaverei"
Boppard, 14.10.09. Das genaue Ausmaß des Menschenhandels weltweit lässt sich nur schwer beziffern. Konkrete Zahlenangaben zu den Opfern liegen nur unzureichend vor. Lediglich für strafrechtlich verfolgte Fälle von Menschenhandel meldeten 111 Staaten der UNODC 21.400 Fälle. Allein für Europa nennt die EU in ihrem neuesten Bericht zum globalen Menschenhandel 500.000 Opfer.
Als Folge der weltweiten Wirtschaftskrise - wie steigende Arbeitslosigkeit und Verarmung großer Bevölkerungsteile in vielen Ländern - wird nach einer Prognose der ILO vom Januar 2009 Menschenhandels als organisiertes Verbrechen anwachsen. Schon jetzt sind Zwangsprostitution und andere Formen sexueller Ausbeutung von Frauen und Mädchen mit 79 Prozent der bei weitem häufigste Zweck von Menschenhandel.
Es folgen Zwangsarbeit (acht Prozent), zwangsweise Hausarbeit und die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten. In 20 Prozent aller entdeckten Fälle von Menschenhandel waren die Opfer Kinder unter 14 Jahren. Die wegen Menschenhandel verurteilten Täter sind zwar überwiegend Männer, aber selbst Frauen spielen dabei als Täterinnen eine größere Rolle als bei irgendeinem anderen Verbrechen.
SOLWODI hilft Frauen und Mädchen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, durch psychosoziale Beratung, Rechtsberatung, Unterstützung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche und, wenn die Frauen dies möchten, bei der Rückkehr ins Heimatland.
Mit zwei zentralen Forderungen kämpft SOLWODI für eine Änderung des Prostitutionsgesetzes in Deutschland:
- Keine abhängige Beschäftigung von Prostituierten , sondern ausschließlich selbständige Tätigkeit ohne Zuhälter.
- Strafrechtliche Verfolgung jeglicher Eingriffe in das Selbstbestimmungsrecht sowie jeglicher Einschränkung der Dispositionsfreiheit von Prostituierten.
Vor dem Hintergrund, dass die Folgen des Menschenhandels für die Opfer zerstörerisch sind, wird SOLWODI nicht aufhören, mit weiteren Kampagnen und Aktionen sowie durch politische Arbeit gegen alle Formen der von moderner Sklaverei Betroffenen anzugehen.