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Liebe Freundinnen und Freunde von SOLWODI,
als ich am 22. Juli aus dem Urlaub zurückkehrte, stand mein Telefon nicht still. Wegen der Medien-Debatte über Flatrate-Bordelle (S. 2) jagte eine Interview-Anfrage die andere. Und dann erwartete mich auch noch die freudige Nachricht, dass die LOTTO-Stiftung Rheinland-Pfalz anlässlich des 15-jährigen Bestehens der SOLWODI-Stelle in Koblenz (s. u.) am 22. August ein Benefizkonzert mit dem Sinto-Musiker Django Reinhardt veranstaltet. Es war ein traumhafter Abend mit hinreißender Musik im nahezu ausverkauften Koblenzer Stadttheater. Am Ende hielt ich glücklich einen Scheck über 10.162 Euro in Händen – LOTTO hatte den Erlös großzügig verdoppelt (ausführlicher Bericht: www.solwodi.de).
Fast noch erfreulicher ist, dass sich durch das Benefizkonzert eine Zusammenarbeit von SOLWODI und Django Reinhardt ergab. Er will uns dabei unterstützen, die Not der Roma-Frauen aus Rumänien und Bulgarien zu lindern, die sich in Deutschland unter menschenunwürdigen Bedingungen in Flatrate-Bordellen und auf Straßenstrichen prostituieren (S. 3).
Die Online-Fassung dieses Rundbriefs erscheint kurz vor der Bundestagswahl. SOLWODI hat viele Forderungen an die neue Bundesregierung, u.a.: umgehende Ratifizierung des Europarat-Übereinkommens zur Bekämpfung des Menschenhandels; bundesweite Gewährleistung eines nicht an die Aussagebereitschaft gebundenen Aufenthaltstitels für Menschenhandelsopfer; Anerkennung des Asylgrunds Geschlecht; bundeseinheitlich gesicherter Zugang zu Bildungs- und Integrationsmaßnahmen für Opfer von Menschenhandel und alle von Gewalt betroffenen Migrantinnen; finanzielle Sicherung von Beratungsstellen, Schutzwohnungen und Frauenhäusern. Zu guter Letzt, aber nicht minder wichtig: Reform des Prostitutionsgesetzes.
Statt diese Forderungen näher zu erläutern, nutze ich die Gelegenheit für einen Appell. Nicht an "die da oben", wie PolitikerInnen abschätzig von Wahlmüden genannt werden, sondern an uns hier unten. Besonders an diejenigen der so genannten "mündigen BürgerInnen", welche die Degradierung von Frauen zu käuflichen und beliebig benutzbaren Sexualobjekten praktizieren oder akzeptieren. Wie wär’s denn mal mit Ethik? Wie wär’s denn mal mit Mitleid? Wie wär’s denn mal mit Selbstbeschränkung? Das heißt: Nicht alles machen, was man machen könnte! Für eine demokratische, sich als human begreifende Gesellschaft ist die Übereinkunft unverzichtbar, dass man manches niemals tut und niemals hinnimmt, auch wenn es als tolerabel verkauft wird – zum Beispiel die Missachtung der Menschenwürde anderer Menschen durch ihre totale Verdinglichung.
Ihre
Sr. Dr. Lea Ackermann
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