SOLWODI e.V.


SOLWODI KENIA: Nachhaltiger Erfolg wissenschaftlich bewiesen

Birgit Hafner

Eigentlich ist Birgit Hafner (33) Ingenieurin bei DAIMLER in Stuttgart. Großzügig stellte ihr Arbeitgeber sie im Rahmen eines "Sabbaticals" frei: für ein Afrikanologie-Studium an der Universität von Edinburgh und für eine Abschlussarbeit über SOLWODI KENIA. Über die erfreulichen Ergebnisse berichtet sie selbst.

SOLWODI KENIA finanziert jährlich 40 bis 50 jungen Frauen eine Berufsausbildung, nicht mit dem dualen System in Deutschland vergleichbar. "Dual" heißt: praktische Ausbildung in einem Betrieb und theoretische Ausbildung in der Berufsschule. Beides kostenfrei. Mehr noch: Deutsche Auszubildende verdienen Geld. Kenianische nicht. Sie müssen Geld bezahlen: an überbetriebliche Ausbildungsstätten. Eine einjährige Ausbildung zur Friseurin beispielsweise kostet 350 Euro. Das mag auf den ersten Blick wenig erscheinen. Doch angesichts des durchschnittlichen Monatslohns von 35 Euro, den eine Friseurin in Kenia verdient, ist es viel. Dass es für Arme unbezahlbar ist, wird klar, wenn man bedenkt, dass weibliche Azubis für ein Jahr als Familien-Ernährerinnen ausfallen. Darum unterstützt SOLWODI meist auch die anderen Familienmitglieder finanziell. Aber um Geld geht es nicht allein.

2006 hatte ich vier Monate als Praktikantin bei SOLWODI KENIA verbracht, um Schwester Leas Mission und Vision hautnah zu erfahren (s. Rundbrief Nr. 69). 2008 kehrte ich nach Mombasa zurück, mit wissenschaftlichem Interesse. Ich wollte die Nachhaltigkeit des Ausbildungsprogramms ergründen. Nicht nur in Hinblick auf SOLWODI, sondern vor allem auf die Möglichkeit, es zu verallgemeinern. Denn: Weltweit gibt es nur wenige Organisationen und Projekte mit der Zielsetzung, junge Frauen durch schulische und berufliche Bildung aus der Armutsprostitution heraus zu holen oder sie davor zu schützen.

Für meine Master-Arbeit in "African Studies" recherchierte ich: 389 Kenianerinnen aus bildungsfernen Schichten am Rande oder unterhalb des Existenzminimums hatte SOLWODI KENIA in den Jahren 1998 bis 2008 Berufsausbildungen ermöglicht. 70 Prozent schafften es, sich und ihre Familien dauerhaft ohne Prostitution zu ernähren. Mit einigen Frauen führte ich Interviews. Auch Geld war das Thema, doch nur am Rande.

Fast einhellig bekundeten die Frauen, dass ihnen das Leben vor SOLWODI als "unglücklich und hoffnungslos" erschien. Das Leben mit und nach SOLWODI hingegen "kann uns nichts und niemand mehr weg nehmen". Eine junge Ex-Prostituierte, inzwischen Erzieherin, sagte: "Bildung hilft. Sie hilft Mädchen, selbstbewusst zu werden, selbständig, unabhängig. Das ist’s, was wir brauchen."

Das Motto von SOLWODI KENIA lautet: "From Welfare to Empowerment." Also: Von der Wohlfahrt zur Ermächtigung. Damit ist gemeint, dass arme Kenianerinnen nicht nur Geldspenden benötigen, sondern auch Gleichberechtigung. 1985 auf der UNO-Weltfrauenkonferenz in Nairobi, an der Schwester Lea teilnahm und die sie inspirierte, wurde "Empowerment" so definiert:

• Selbstbewusstsein, wozu die Befähigung zur Artikulation eigener Bedürfnisse und Interessen gehört sowie die Wahrnehmung und Nutzung von Handlungsspielräumen;

• Selbstbestimmung, auch über den eigenen Körper;

• Rechtsbewusstsein, das Unrecht erkennt und sich dagegen wehrt;

• Solidarität, welche die Erkenntnis einer gemeinsamen, nicht persönlich verschuldeten, sondern gesellschaftlich verursachten Notlage voraussetzt.

All das bewirkt SOLWODI KENIA – mit nun wissenschaftlich erwiesenem, nachhaltigem Erfolg.

Artikel Nr. 5 von 5 in: Rundbrief Nr. 81 - September 2009
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