Sr. Dr. Lea Ackermann: "Ich hoffe auf massive Proteste."
Boppard, 18.06.09. Am 5. Juni wurde in Fellbach bei Stuttgart ein neuer Pussy-Club eröffnet – ein so genanntes "Flatrate-Bordell". Was darunter zu verstehen ist, wird auf der Homepage des Clubs so erklärt: "Sex mit allen Frauen so lange du willst, so oft du willst und wie du willst! Sex mit allen Extras! Analsex, Oralsex, Natur, 3-er, Gruppensex, Gangbang … Alles ist möglich!" Für einen Einheitspreis von 70 Euro tagsüber und 100 Euro abends. Für die SOLWODI-Chefin Sr. Dr. Lea Ackermann ist das "entfesselte Frauenerniedrigung".
"Ich bin empört", sagt die streitbare Ordensfrau, die sich seit 25 Jahren unermüdlich für Frauen und Mädchen in der Zwangs- und Armutsprostitution engagiert: "Aber ich wundere mich nicht." Flatrate-Tarife für die sexuelle Ausbeutung von Prostituierten seien eine zu erwartende Folge des 2002 in Kraft getretenen Prostitutionsgesetzes (ProstG), das die freiwillig ausgeübte Prostitution legalisierte und herkömmlichen Dienstleistungen gleichstellte. "Auf eklatante Verstöße gegen elementare Menschenrechte hinter den nun legalen Fassaden schicker, neuer Bordelle wollten wir mit unserer im November 2008 gestarteten SOLWODI-Kampagne für eine menschenwürdige ProstG-Reform aufmerksam machen. Ohne Medien-Resonanz!"
Anscheinend sei das Rotlichtmilieu in Deutschland inzwischen so salonfähig geworden, dass JournalistInnen kritische Stimmen geflissentlich überhören. Schließlich sei die so genannte "Sexindustrie" ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit schätzungsweise 14,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. "Und auf einmal ist die Aufregung in den Medien wegen des Fellbacher Pussy-Clubs groß." Dagegen hat Sr. Dr. Lea Ackermann nichts einzuwenden. "Endlich bewegt sich was." Dafür spreche zwar nicht, dass in den Stuttgarter Nachrichten stand, Polizei und Behörden seien machtlos. "Das sind sie", erklärt die SOLWODI-Chefin, "weil die Frauen angeblich freiwillig zum Flatrate-Tarif alles mit sich machen lassen." Aber "die Basis" komme durch die Medien-Berichterstattung in Bewegung. "Ich hoffe auf massive Proteste von Frauen – und von Männern." Denn: "Die Menschenrechte haben kein Geschlecht."