Title: Editorial
Subtitle: Rundbrief Nr. 60 - Juli 2004

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Editorial


Liebe Freundinnen und Freunde von SOLWODI,

am 1. Mai sind zehn mittel- und osteuropäische Staaten der Europäischen Union beigetreten. Mit Musik und Freudenfeuern feierten die Menschen in Tschechien, Polen, Lettland und Litauen. 15 Jahre nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" sind sich Ost und West noch ein Stück näher gekommen. Die Hoffnung vieler Menschen: Wirtschaftlicher Aufschwung und bessere Lebensbedingungen. Das ist die eine Seite der Medaille. Leider gibt es auch eine andere, darauf gehen wir in den zwei folgenden Artikeln ein.

Die EU-Erweiterung wirkt sich auch auf die Finanzierung von Opferzeuginnen aus - ohne Duldung keine Unterstützung.

Der Kampf gegen den Menschenhandel kann nur in internationaler Zusammenarbeit geführt werden. Innerhalb der Europäischen Union aber auch von Seiten der Vereinten Nationen gibt es unterschiedlichste Rahmenbedingungen und Protokolle, die alle auf eine stärkere Vernetzung in der Strafverfolgung und auf ausreichende Schutzstandards innerhalb der Nationen abzielen. In diesem Zuge wird nun erstmals auch der Begriff des Menschenhandels erweitert. Derzeit wird im Bundestag ein Gesetzesentwurf der Regierungskoalition diskutiert, der die Strafvorschriften über den Menschenhandel reformiert. Die Koalition kommt damit ihrer Pflicht nach, verschiedene internationale Abkommen in deutsches Recht zu integrieren. Der vorliegende Entwurf ist allerdings in einigen Punkten unzureichend.

Ein Europa ohne Grenzen birgt die Chance des Miteinanders und des Friedens. Das wird aber nur gelingen, wenn das wirtschaftliche und soziale Gefälle zwischen dem "alten" und dem "neuen" Europa nicht mehr so groß ist.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Ihre Schwester
Dr. Lea Ackermann

Artikel Nr. 1 von 7 in: Rundbrief Nr. 60 - Juli 2004
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