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Guardini-Preis und Ehrendoktortitel für die SOLWODI-Gründerin

Zwei hohe Auszeichnungen für Sr. Dr. Lea Ackermann: Am 29. Oktober verlieh ihr die Theologische Fakultät der Universität Luzern den Ehrendoktortitel; am 7. Oktober wurde ihr der Romano Guardini Preis 2008 der Katholischen Akademie in Bayern überreicht.

Die Leitung der Katholischen Akademie schreibt in der Preisbegründung: "Durch ihr zupackendes Eintreten konnte Sr. Lea das Schicksal vieler Not leidender Frauen lindern." Zugleich habe sie mit ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit ein Problembewusstsein dafür geschaffen, dass durch Frauenhandel, Zwangsprostitution und Sextourismus fundamentale Menschenrechte und die Würde der Frau mit Füßen getreten werden. "Sr. Lea steht vorbildhaft für eine zeitgemäße, lebendige Verkündigung der befreienden Botschaft des Evangeliums." Ähnliche Sätze sind in der Ehrenurkunde der Theologischen Fakultät Luzern zu lesen. Darüber hinaus heißt es da: Sr. Lea habe "erheblich zu einer differenzierteren gesellschaftlichen Wahrnehmung und Einschätzung von Prostitution und ihren Zusammenhängen mit Gewalt und Unterdrückung beigetragen".



Sr. Lea Ackermann mit Dekanin Ruth Scoralick und Uni-Rektor Rudolf Stichweh

Die Dekanin der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Ruth Scoralick, die in Luzern die Laudatio auf Sr. Lea hielt, bedauerte: Leider könne sie "in der gebotenen Kürze nicht einmal entfernt der Breite und Intensität des Wirkens von SOLWODI gerecht werden". Die Laudatorin hatte tatsächlich wenig Zeit. Denn am 29. Oktober, dem "Dies academicus 2008" der Universität Luzern, wurden auch noch Ehrendoktoren anderer Fakultäten gewürdigt.

Am 7. Oktober in München hingegen stand Sr. Lea im Festsaal der Katholischen Akademie allein im Mittelpunkt. Um mit ihr den Guardini-Preis zu feiern, waren rund 450 Gäste gekommen – darunter viele mit Rang und Namen in Bayern.



Sr. Lea Ackermann und Dr. Florian Schuller, Direktor der Katholischen Akademie

Die Verleihung des renommierten Preises an die SOLWODI-Gründerin als zweiter Frau unter 28 PreisträgerInnen sei "auch ein Zeichen des wachsenden Bewusstseins für das Problem der sexuellen Gewalt gegen Frauen und Mädchen", betonte Christa Stewens, (damals noch) stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin und Frauenministerin, in ihrer Ansprache. Die CSU-Politikerin ersparte den versammelten Würdenträgern den Hinweis nicht, dass "sexualisierte Gewalt und sexueller Zwang zu den schlimmsten Menschenrechtsverletzungen" gehören: "Aber die sexuelle Versklavung von Frauen und Mädchen ist allgegenwärtig, direkt vor unserer Haustür."

Das Problem des wachsenden Sexismus hatte der hellsichtige Theologieprofessor Romano Guardini (1885-1968) bereits vor 50 Jahren erkannt. In einer seiner Ethik-Vorlesungen, aus der Sr. Lea in ihrer Festrede zitierte, empörte er sich über "den nachgerade unbegreiflichen Missbrauch des weiblichen Körpers in der Reklame jeglicher Art": "Das wiegt um so schwerer, als ja doch das Ganze auf den kaufmännischen Vorteil angelegt ist; es daher sofort verschwinden würde, wenn diejenigen, auf die es ankommt, nämlich die Kaufenden, es nicht wollten." Das treffe auch auf Frauenhandel und Zwangsprostitution zu, sagte Sr. Lea. Ohne die Nachfrage der Freier würden Frauen und Mädchen nicht sexuell versklavt.

Der Münchner Erzbischof Dr. Reinhard Marx staunte über das Frauenbewusstsein, das die Preisträgerin in Guardinis Schriften entdeckte hatte. "Für Sr. Leas Lebenswerk und für ihr Engagement für eine bessere Welt", bedankte er sich herzlich: "Wir alle müssen uns bemühen, eine Welt zu schaffen, in der Männer und Frauen sich auf Augenhöhe begegnen und Frauen nicht zu Objekten degradiert werden."

Zuvor hatte der Pallottiner-Pater Prof. Dr. Fritz Köster in seiner Laudatio betont: Sr. Lea gehe "mit offenen Augen und Ohren durch die Welt" und nehme "Dinge und Zustände unter die Lupe, die die meisten Zeitgenossen gerne übersehen". "Sie packt einfach da an, wo es notwendig erscheint, selbst auf die Gefahr hin, dass sie im Nachhinein unvorhersehbare Mühen und Unannehmlichkeiten zu verkraften hat." Aus "solchem Geist des Zupackens" sei SOLWODI gegründet worden. Pater Köster: "Liebe Lea, ich habe dich oft polternd und wütend erlebt. Vergiss auch in Zukunft das Poltern nicht! Danke!"

Die Laudationes und Sr. Leas Festrede im Wortlaut: www.solwodi.de (Aktuelle Auszeichnungen).

Artikel Nr. 5 von 8 in: Rundbrief Nr. 78 - Dezember 2008
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