SOLWODI e.V.


Im Namen der Menschenwürde: SOLWODI-Kampagne für eine ProstG-Reform

Oberhausen. Überraschend kündigte Sr. Lea Ackermann gestern Abend im Katholischen Stadthaus eine SOLWODI-Kampagne für die Menschenwürde von Prostituierten an. Die Kampagne soll am 25. November – dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen – gestartet werden.

In Oberhausen wird zurzeit in einem Linienbus die TERRE DES FEMMES-Ausstellung "Ohne Glanz und Glamour – Prostitution und Frauenhandel im Zeitalter der Globalisierung" gezeigt. Im Rahmen des Begleitprogramms hielt die SOLWODI-Gründerin und -Vorsitzende Sr. Lea Ackermann auf Einladung der Katholischen Familienbildungsstätte einen Vortrag über den "Handel mit Frauen und Kindern vor unserer Haustür". SOLWODI ist die Abkürzung für "Solidarity with Women in Distress" (Solidarität mit Frauen in Not). Diese 1985 in Kenia gegründete Hilfsorganisation betreut in Deutschland Migrantinnen in Notsituationen: u. a. Opfer von Frauenhandel und Zwangsprostitution.

"Meiner Ansicht nach ist Prostitution immer eine Menschenrechtsverletzung, auch die sogenannte freiwillige Prostitution", betonte die SOLWODI-Chefin gestern Abend. "Weibliche Menschen sind keine Ware, die man verkaufen oder kaufen kann wie unbeseelte Objekte!" Im Prinzip sei sie für die Abschaffung der Prostitution. Doch da sich das in Deutschland weder lang- noch mittelfristig durchsetzen lasse, habe sich SOLWODI zu kurzfristigem Handeln entschlossen. "Wir wollen es nicht länger hinnehmen, dass Prostitution immer salonfähiger wird, während Prostituierte wie der letzte Dreck behandelt werden." Darum werde SOLWODI am 25. November mit eigenen Vorschlägen für eine Reform des im Januar 2002 in Kraft getretenen rot-grünen Prostitutionsgesetzes (ProstG) an die Öffentlichkeit gehen und für die Menschenwürde von Prostituierten eintreten. Die derzeitige schwarz-rote Regierungskoalition habe im Januar 2007 angekündigt, das umstrittene Gesetz zu reformieren. Doch auf die Worte seien keine Taten gefolgt. Wegen des Super-Wahljahrs 2009 sei in dieser Legislaturperiode auch nicht mehr damit zu rechnen. Aber die SOLWODI-Kampagne mache Prostitution nun zum Wahlkampfthema.

Das ProstG, das die freiwillig ausgeübte Prostitution in Deutschland legalisierte und freiwillig tätige Prostituierte besser stellen wollte, habe das Gegenteil bewirkt, sagte Sr. Lea Ackermann: "Besser gestellt wurden Zuhälter und Bordellbetreiber." Seit Inkrafttreten des ProstG sei ein regelrechter Bordell-Bauboom zu verzeichnen. In den überall in Deutschland errichteten neuen Bordellen, die sich meist "Wellness-Clubs" oder "FKK-Clubs" nennen, lasse sich die freiwillige von der erzwungenen Prostitution nicht trennen. Ohne Unterschied würden die dort tätigen Frauen ihrer Menschenwürde beraubt. "Sie unterliegen einer nahezu lückenlosen Kontrolle durch ein ausgeklügeltes System aus Videokameras, Bordell- und Security-Personal. Die Prostituierten müssen sich ausschließlich unbekleidet in den Häusern bewegen, dürfen nicht telefonieren und dürfen nur mit Genehmigung der Geschäftsleitung nach draußen. Die Sexualpraktiken sind vorgeschrieben; Freier können nicht abgelehnt werden; die Arbeitszeiten betragen bis zu 16 Stunden täglich." Angesichts dieser "Ausbeutungsverhältnisse" wolle SOLWODI mit Vorschlägen für eine Gesetzesreform Zuhälter und Bordellbetreiber in ihre Schranken verweisen: "durch konsequente strafrechtliche Verfolgung jeglicher Fremdbestimmung von Frauen in der Prostitution."

Details über die Kampagne sind ab Dienstag, 25. November, unter www.solwodi.de nachzulesen. Die Medien werden einige Tage vorher mit Sperrfrist 25.11.08 informiert.

 


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