Es forderte schon einige Kraft und Durchhaltevermögen beim Kirchentag einen SOLWODI-Stand zu reservieren, zu finanzieren, aufzubauen und zu betreuen. Ein großer Aufwand für drei Tage Präsenz! Würde sich die hohe Investition an Finanzen und Ressourcen überhaupt lohnen?
Um die Antwort vorwegzunehmen: Es lohnte sich!
Ein in froher Zusammenarbeit übersichtlich präsentiertes Infomaterial, eine als Stolperstein oder Stein des Anstoßes aufgestellte Schachtel mit "eingesperrten" Frauenfotos, motivierte MitarbeiterInnen, die mit freundlicher Penetranz zahllose Vorübergehende aufhielten, lenkten die Aufmerksamkeit auf die SOLWODI-Anliegen rund um den Frauenhandel.
Unser Standort, letzte Halle von sieben, hintere Ecke, erwies sich als auffindbar. Wir waren überrascht, dass viele Passanten SOLWODI kannten und gezielt suchten. Auch die "Neuen" ließen sich bereitwillig auf unsere Informationen ein.
Prominente BesucherInnen waren z. B. der Erzbischof von Bamberg, Dr. Ludwig Schick und die Bayerische Justizministerin Dr. Beate Merk. Sie arbeitet gerade an einem Gesetzentwurf nach dem auch Freier zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen werden könnten, wenn sie wissentlich die Zwangslage der Frau ausnutzen.
Die auch von den Medien berichtete und den Teilnehmern gelobte heiter-interessierte Atmosphäre machte den Katholikentag zu einem angenehmen Erlebnis.
Standimpressionen:
Der Stand wurde von den ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Arbeitskreise Schwäbisch Gmünd, Aalen und Augsburg gestaltet und betreut. Begeistert erzählten sie von den vielen Gesprächen, die sie geführt hatten und von ihren Beobachtungen.
Männer lassen sich lieber von einem Mann ansprechen. Dies übernahm unser Mitarbeiter aus Augsburg. Die höfliche Frage, ob SOLWODI bekannt sei, war immer der Auftakt für ein wohlwollendes Gespräch.
Die markante Schachtel, von weitem sichtbar, war oftmals Auslöser für ein Stehenbleiben. Vor allem für die Kinder war sie unwiderstehlich. Sie mussten zwischen die Gitterstäbe greifen. Trotz Papier bedingter Materialschwäche hielt der Karton zum Glück der Beanspruchung stand.
Ein Passant meinte, ihm sei es angesichts dieses Themas peinlich, ein Mann zu sein. Er erkannte die Notwendigkeit, Geschlechtskollegen zu erreichen und zu informieren. Er bot folgerichtig an, einmal eine Mitarbeiterin von SOLWODI zu einem Vortrag in seinen Schützenverein einzuladen.
In welchem Umfang das spontan geäußerte Interesse an Info-Veranstaltungen anhält, wird sich, ebenso wie erhoffte Spendeneingänge, erst im Nachhinein zeigen.
Unser Ziel, möglichst viele Menschen zu erreichen, über das Thema Frauenhandel und die Arbeit von SOLWODI zu informieren, kann mit ca. 200 persönlich ausgegebenen Flyern als erfolgreich eingestuft werden. Wir werden auch das nächste Mal wieder mit dabei sein.
Soni Unterreithmeier
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