"Frauenhandel als eine moderne Form der Sklaverei widerspricht allen Grundsätzen unseres Gemeinwesens und ist ein Politikum ersten Ranges.", so der Tagungsleiter Heinz Meyer in der Katholisch-Sozialen Akademie in Münster, wo am 13. Oktober anlässlich des zehnjährigen Bestehens von SOLWODI NRW e.V. ein Studientag zum Thema „Sich einmischen gegen Frauenhandel" stattfand.
Nicht nur Zwangsprostitution sei ein Politikum, betonte Sr. Lea Ackermann in ihrem Vortrag, sondern Prostitution generell. Das Prostitutionsgesetz vom 1. Januar 2002, das die Prostitution in Deutschland legalisierte, richte sich an Frauen, die sich freiwillig prostituieren.
Frauen, die als Prostituierte gearbeitet und den Weg zu SOLWODI gefunden haben, lassen die Freiwilligkeit und die selbstbestimmte, autonome Entscheidung anzweifeln. Familiäre, wirtschaftliche und soziale Abhängigkeiten versetzen sie in eine Zwangslage. Was macht die Prostitution zum Politikum? In dem australischen Bundesstaat Victoria sei sie bereits seit 1984 legal. Laut einer Studie der Universität Melbourne habe sich dadurch eine regelrechte "Prostitutionskultur" ausgebreitet - Sr. Lea zog das Wort "Unkultur" vor. Bordelle seien in Victoria inzwischen börsennotiert; Bordelliers seien genauso angesehen wie Schuldirektorinnen; kleine Jungen würden mit einem Frauenbild groß, das von Prostitution und Pornografie geprägt ist. Auch die Aufstiegschancen von Frauen im Beruf haben sich der Studie zufolge verschlechtert, weil es zum üblichen Geschäftsgebaren von Männern gehört, sich für Vertragsabschlüsse und Karriereverhandlungen in Bordellen oder Tabledance-Clubs zu treffen – unter Ausschluss ihrer Kolleginnen. Schwester Leas Fazit: "Prostitution schadet der ganzen Gesellschaft, vor allem aber schadet sie dem Streben nach Gleichberechtigung von Mann und Frau."
"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Mit diesem einleuchtenden Satz von Erich Kästner hatte Prof. Dr. Fritz Köster seinen Vortrag überschrieben. Wo erleben wir, dass die Würde einer Frau oder eines Kindes mit Füßen getreten wird? Wer sind die Menschen, denen es nicht mehr um Recht und Menschenwürde geht, sondern um Geld, Macht und Herrschaftsansprüche über andere? In dieser Situation ist SOLWODI so etwas wie eine prophetische Stimme geworden, die den Finger auf die Wunden der Gegenwart legt. Dies müsste auch die Aufgabe einer Religion sein, wenn sie mit Recht das Prophetische für sich in Anspruch zu nehmen geneigt ist. Sie müsste Antwort geben auf Mängel und Geburtshelferin zu einem neuen Leben sein, in einer Welt, die mehr zum Reden als zum Handeln neigt. Wer anderen hilft, ist sich selbst der Nächste; wer anderen zum Leben verhilft, macht selbst die Erfahrung eines reichen Lebens. (www.fritz-koester.de, Vortrag: "Wenn das Prophetische abhanden kommt.")
Der Geschäftsführer des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Köln stellte auf der Tagung das "Bündnis gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution in NRW" vor, das sich der Menschenwürde im Grundgesetz verpflichtet fühlt und dem christlichen Credo, dass Männer und Frauen gleich geschaffen sind. Das überkonfessionelle Bündnis besteht zurzeit aus 16 Orgnisationen (u.a. SOLWODI) und wird von Norbert Michels koordiniert (Tel.: 0221/2576111, E-Mail: kontakt@dioezesanrat.de).
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