Boppard, 12.04.2007 "Das ist keine Kultur, sondern finsterstes Patriarchat, eine Aufwertung des Rotlichtmilieus und die Verharmlosung von Verbrechen an Frauen und Mädchen." So empört äußerte sich jetzt die SOLWODI-Vorsitzende Sr. Dr. Lea Ackermann über das Vorhaben, das Kölner Großbordell "Pascha" als eine der Spielstätten für das Kulturfestival "Sommerblut" zu nutzen.
Das "Pascha" in Köln rühmt sich, "Europas größtes Laufhaus" zu sein. Dass die Polizei dort bei Razzien eine 14-jährige und drei 16-jährige Zwangsprostituierte aufgriff, scheint den Schirmherren des Festivals, den ehemaligen Polizei- und Regierungspräsidenten Jürgen Roters, nicht zu stören. Für Festivalleiter Rolf Emmerich ist das Großbordell laut Kölner Stadtanzeiger eine "abgefahrene Location". Das vom 16. Mai bis zum 11. Juni dauernde Kulturfestival "Sommerblut" mit 62 Veranstaltungen und 150 KünstlerInnen soll sogar im "Pascha" feierlich eröffnet werden: mit dem Programm "Wilde Nächte", einem "literarisch-musikalischem Streifzug durchs Milieu".
Erika Thiel, die Geschäftsführerin des "Pascha-Nightclubs", weist ausdrücklich darauf hin, dass ihr Nachtlokal schon diverse Veranstaltungen, darunter auch Benefiz-Partys zu Gunsten der Kölner Aids-Hilfe, beherbergt habe. Der Fan-Club des 1. FC Köln ließ sich vom "Pascha" sponsern; das alternative Kölner Filmhaus lud im November 2006 zu einem Kurzfilmabend ins "Pascha" ein; Plattenfirmen präsentieren dort ihre Neuerscheinungen; Kölner Taxis machen mit Visitenkarten auf dem Rücksitz und Werbebannern an den Türen für das Etablissement Reklame – Motto: "Pascha sein ist fein".
"Das hätten sie wohl gerne, die Herren", sagt Sr. Lea Ackermann, die zum öffentlichen Protest dagegen aufruft, "dass sich dieser frauenverachtende Ort nun auch noch als Kulturort der Weltstadt Köln präsentieren darf". Zeitungsberichten zufolge will Festivalleiter Rolf Emmerich "Solidarität mit Prostituierten" demonstrieren. "Mir scheint das eher Solidarität mit Zuhältern und Freiern zu sein", so Sr. Lea Ackermann, Chefin der Hilfsorganisation SOLWODI, die Opfer von Frauenhandel und Zwangsprostitution betreut. Die Gesetzesreform zur Prostitution hat zudem keine Verbesserungen gebracht, so die Erfahrungen von SOLWODI. Menschenhandel konnte dadurch nicht besser bekämpft oder aufgedeckt werden.