Die Anwerbung der Frauen geschieht entweder offen oder verdeckt.
Die offene Anwerbung findet unter anderem in Bordellen oder auf dem Straßenstrich statt. Den Frauen ist bewusst, dass sie sich prostituieren sollen und dass sie die anfallenden Anwerbungs- und Transportkosten abarbeiten müssen. Doch den Frauen wird vorgetäuscht, dass sie ihrer Tätigkeit im Ausland lukrativer nachgehen können, selbst bestimmen können, wie und unter welchen Bedingungen sie arbeiten, und jederzeit aus der Prostitution aussteigen können. Über die tatsächlichen Umstände und Arbeitsbedingungen, nämlich Ausbeutung, Zwang und oftmals Gewalt erfahren sie nichts.
Bei der verdeckten Anwerbung wird den Frauen, meist durch inländische Mittelsmänner oder -frauen, eine gut bezahlte, legale Arbeit im Ausland versprochen, wie zum Beispiel Arbeit als Kindermädchen, Haushaltshilfe, Küchenhilfe etc. Viele Frauen lassen sich auf das Versprechen einer legalen Arbeit im Ausland ein und sehen darin die Chance, ihre Lebensumstände zu verbessern. Die AnwerberInnen sind in vielen Fällen Bekannte oder Familienmitglieder oder sie bauen ein Vertrauensverhältnis als angebliche Freunde oder Freundinnen auf.
Durch Annoncen werden Frauen aufgefordert, sich als Künstlerinnen oder Tänzerinnen über Agenturen in den Westen vermitteln zu lassen. Oft stecken hinter diesen Angeboten Menschenhandelsorganisationen.
Laut BKA wurden in Deutschland, nach eigenen Angaben von 642 Opfern aus abgeschlossenen Verfahren in 2005, 220 Frauen bei der Anwerbung über den wahren Grund der Einreise getäuscht. 166 Frauen wurden durch Künstleragenturen oder Zeitungsinserate angeworben und 78 gewaltsam zur Ausreise gezwungen. 199 Frauen waren mit der Ausübung der Prostitution einverstanden. 41% der Menschenhändler in diesen Verfahren waren Deutsche, 22% der Tatverdächtigen waren Frauen (vgl. BKA Lagebild Menschenhandel 2005).
Die TäterInnen gehen zum Teil gezielt vor und suchen die Frauen aufgrund einer Bestellung aus, entsprechend der Angebots- und Nachfrageorientierung in der Marktwirtschaft. Die Bestellaufnahme erfolgt durch Personen, die sich im Herkunftsland der Frauen befinden.
Die Menschenhandelsorganisationen verfügen über gute organisatorische Strukturen. Sie besorgen über Mittelsmänner Pässe, Visa, Reise- und Ausreisegenehmigungen und mieten, falls notwendig, Unterkünfte für die Zeit des Schleppens an. Zeitgleich wird der Transport organisiert. Dabei werden Kosten und Risiken kalkuliert wie die Art des Transportmittels und die Reiseroute.