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Liebe Freundinnen und Freunde von SOLWODI,
obwohl längst wieder der Alltag eingekehrt ist, erfüllt mich immer noch der "Geburtstagsfeierrausch" vom 2. Februar. Das Fest zu meinem Siebzigsten war ein "beseelendes" Fest, von dem ich heute noch zehre (s. S. 4).
Gleich zu Anfang des Jahres gab es noch einen Grund zur Freude: Die Bundesfrauenministerin Ursula von der Leyen kündigte eine Trendwende in der Prostitutionspolitik an. Das von SOLWODI oft kritisierte Prostitutionsgesetz (ProstG) von 2002 basiere auf der Annahme, dass es sich bei Prostituierten überwiegend um Frauen handele, die freiwillig auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen, sagte von der Leyen: "Das ist für mich ein Schönreden der Situation." Sie will verschiedene Maßnahmen durchsetzen (s. S. 2), vor allem sollen endlich Freier von Zwangsprostituierten bestraft werden. Das ist überaus begrüßenswert.
Skeptisch allerdings beurteile ich das Vorhaben, Bordelle zu konzessionieren, damit sie nicht nur von der Polizei, sondern auch von Gewerbeaufsicht, Finanz- und Ordnungsämtern kontrolliert werden können. Dadurch will die Bundesregierung aus dem Rotlichtmilieu ein "Hellfeld" machen. Ich denke eher, dass sich Zwangsprostitution und Menschenhandel dann ganz und gar im Dunkelfeld der Wohnungsprostitution verstecken und noch weniger Opfer befreit werden können. Außerdem dürfen sich die konzessionierten Bordelliers und Zuhälter als "salonfähig" fühlen – und ihre Kunden auch.
Noch eine Einschätzung der Bundesfrauenministerin teile ich nicht. Das Prostitutionsgesetz, sagte sie, behindere keinesfalls die "wirkungsvolle Strafverfolgung" von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Wir hören von den Polizeistellen, mit denen wir kooperieren, das Gegenteil. Durch die Strafbarkeit von "Förderung der Prostitution", die durch das ProstG entfallen ist, konnte die Polizei früher mit diesem Verdacht relativ leicht Razzien begründen. Unsere Erfahrung ist, dass seit dem Inkrafttreten des Gesetzes viel weniger Razzien gemacht werden.
Trotzdem ist im SOLWODI-Jahresbericht 2006, der Mitte April erscheint, die Zahl der Erstanfragen im Bereich "Menschenhandel/Zwangsprostitution/Opferzeuginnen" im Vergleich zu 2005 gestiegen. Auch wir verzeichnen eine Trendwende: Früher war es vor allem die Polizei, die uns die Erstkontakte zu Zwangsprostituierten vermittelte; heute sind es zunehmend Bekannte, Kolleginnen und Freier. Dazu hat mit Sicherheit unsere viel beachtete WM-Kampagne "Nein zur Zwangsprostitution!" beigetragen. Ich bin optimistisch: Anscheinend wird der durch das ProstG vermittelte Eindruck, Prostitution sei ein Beruf wie jeder andere, endlich wieder abgeschafft.
Ihre
Sr. Dr. Lea Ackermann
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