Title: 12.09.2006 - Gesellschaft kapituliert vor Gewalt
Subtitle: Presseerklärung vom 12.09.2006

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Gesellschaft kapituliert vor Gewalt

Zum Rückzug von Seyran Ates als Rechtsanwältin; Sr. Lea Ackermann fordert mehr Maßnahmen zum Schutz von Frauen

Die Rechtsanwältin Seyran Ates wird künftig keine Einzelpersonen, die von häuslicher Gewalt oder Zwangsheirat betroffen sind, vertreten. Die Kämpferin für die Rechte muslimischer Frauen in Deutschland hat ihre Zulassung als Rechtsanwältin zurückgegeben. Sie begründet diesen Schritt mit einer "akuten Bedrohung".

Seran Ates ist bekannt als deutsche Expertin für Menschenrechtsfragen und Migrationspolitik. Sie ist türkischer Herkunft und kämpft gegen das Kopftuch, Ehrenmorde und Zwangsheirat. Sie setzt sich für mehr Sozialarbeit in Familien ein und fordert ein Gewaltschutzgesetz, das Frauen besser vor gewalttätigen Ehemännern schützt. Sie wurde mehrfach bedroht und 1986 Opfer eines Attentates. Ihre politische Arbeit wird sie dennoch fortsetzen.

Die Mitarbeiterinnen der Frauenhilfsorganisation SOLWODI sind erschüttert. Die Nachricht hat viele Kämpferinnen für die Rechte von Frauen zutiefst getroffen. Der Schritt von Seyran Ates hat Signalwirkung. "Es bleibt zu wünschen, dass die Signale an den richtigen Stellen gehört werden," sagt Sr. Lea Ackermann, erste Vorsitzende von SOLWODI. Das Signal geht an die Politik, endlich mehr Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt umzusetzen, wie beispielsweise das Näherungsverbot, das im Gewaltschutzgesetz verankert ist.

Der Rückzug von Seyran Ates ist auch eine Kapitulation der Gesellschaft vor der Gewalt falsch verstandener muslimischer Traditionen, die auf einem patriarchalen Gesellschaftsbild gründen.

"Sitten und Gebräuche, die mit unserer demokratischen Grundordnung nicht vereinbar sind, müssen rechtlich untersagt werden bzw. die bestehenden Gesetze konsequent umgesetzt werden. Zwangsheirat ist eine zu ächtende Menschenrechtsverletzung, die bestraft werden muss, weil die Rechte von Frauen mit Füßen getreten werden", sagt die Frauenrechtlerin Lea Ackermann. Gleichzeitig brauchen wir Mittel und Wege, die Menschen aus anderen Kulturen zu bewegen, sich stärker auf unsere Lebenswelt und auch auf die rechtlichen Verhältnisse einzulassen. Wenn das nicht möglich ist, können sie hier nicht leben.

Sr. Dr. Lea Ackermann
1.Vorsitzende SOLWODI e.V.


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