SOLWODI e.V.


Rechtshilfe für Frauen und Kinder in Kenia

Von Dr. Lea Ackermann

Frauen und Kinder in Kenia leiden unter einem diskriminierenden Gesetz, das die Polizei in der Küstenregion zu Willkür und Korruption verleitet. SOLWODI leistet Rechtshilfe.

Bei meinem diesjährigen Besuch in Kenia wurden mir die Ergebnisse einer SOLWODI-Untersuchung über die Auswirkungen eines Gesetzes vorgestellt, das „Bummeln zum Zweck der Prostitution“ verbietet. Eine Befragung von Polizisten in elf Polizeistationen in der Küstenregion von Mombasa bis Malindi und Likoni ergab: Täglich werden wegen angeblicher Verstöße gegen dieses Gesetz 26 bis 41 Personen festgenommen – fast ausschließlich Frauen und Kinder.

In Gefängnissen befragten Mitarbeiterinnen von SOLWODI-Kenia die Betroffenen selbst: darunter zehnjährige Mädchen. Auf Informationsveranstaltungen von SOLWODI über das Gesetz berichteten Dutzende von Frauen und Kindern, aus heiterem Himmel auf offener Straße festgenommen worden zu sein. „Inzwischen rennen wir weg“, sagten sie, „sobald wir ein Polizeiauto sehen.“

Die zwölfjährige Siama erzählte: Weil sie nicht zur Schule gehe, spiele sie tagsüber immer mit Freunden auf der Straße. Plötzlich seien Polizisten gekommen, die sie in einen Streifenwagen zerrten. Sie habe überhaupt nicht verstanden, warum. Von einem Gesetz gegen „Bummeln zum Zweck der Prostitution“ hatte Siama noch nie etwas gehört – wie die meisten Festgenommenen.

Auch der Mutter eines Kleinkindes war völlig neu, was ihr vorgeworfen wurde. Bei dem Verhör auf der Polizeiwache beteuerte sie: Sie sei unterwegs gewesen, um ein Medikament für ihren kranken Bruder zu besorgen; ihr Kind, das noch gestillt werde, habe sie zuhause zurück gelassen; ohne sie müsse es Hunger leiden. Vergeblich. Die Frau wurde zwei Tage eingesperrt. Um zu ihrem Kind zu kommen, gestand sie schließlich, was man ihr unterstellte, und zahlte eine Geldstrafe.

Diese Geldstrafen von (umgerechnet) 12 bis 120 Euro setzt die Polizei nach Gutdünken fest und steckt sie vermutlich zum Großteil in die eigene Tasche. Obwohl schon 12 Euro für die meisten Festgenommenen ein kleines Vermögen sind, hatten sich über 90 Prozent der in Gefängnissen und auf Informationsveranstaltungen befragten Frauen und Mädchen schuldig bekannt und sich „frei gekauft“. Denn sie wollten Verhören, Gerichtsverhandlungen und langen Haftstrafen entgehen.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen überdeutlich, wie nötig das Rechtshilfeprojekt von SOLWODI-Kenia ist, mit dessen Unterstützung sich Frauen und Kinder gegen Freiheitsberaubung, Polizeiwillkür und Korruption wehren können. Zusammen mit der Berliner Stiftung „Umverteilen“ stellt SOLWODI-Deutschland die finanziellen Mittel zur Verfügung.

Der diesjährige Besuch hat mir erneut beide Seiten der kenianischen Realität vor Augen geführt: einerseits die maßlose Armut und andererseits die ebenso maßlose Lebensenergie. Viele der von SOLWODI-Kenia unterstützten Frauen erreichen so viel mit so wenig. Wie Nora sich mit vier Fläschchen Nagellack selbständig machte, wie Milkas „Hair and Beauty Salon“ nebst Gemüsestand floriert und weitere Erfolgsgeschichten können Sie in meinem Kenia-Reisebericht 2006 nachlesen. Zu beziehen über: 06741-2232 oder info@solwodi.de.

Artikel Nr. 3 von 10 in: Rundbrief Nr. 70 - Dezember 2006
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