Mit großem Erstaunen haben wir zur Kenntnis genommen, dass sich Michel Friedmann wieder stärker "in die politische Diskussion einmischen" will, wie "Die Welt" vom 28.06.04 berichtet.
Nicht nur mit Sachbüchern, wie es seine Rolle als Herausgeber im Berliner Aufbau-Verlag mit sich bringt, sondern auch als Fernsehmoderator seiner Talkshow "Im Zweifel für?" wolle er "zur öffentlichen Debatte in Deutschland beitragen", so Friedmann.
In Anbetracht der Tatsache, dass sich Friedmann bis heute nicht zu dem Skandal um die osteuropäischen Zwangsprostituierten geäußert hat, geschweige denn dafür zur Rechenschaft gezogen wurde, wäre eine "öffentlichen Debatte" um sein Verhalten eher angebracht.
Es ist erschreckend, dass in den Medien nur noch von der "Kokainaffäre" um Friedmann die Rede ist, nicht aber von seiner Rolle bei der menschenverachtenden Ausbeutung von jungen Frauen aus Osteuropa.
Wir bedauern sehr, dass Friedmann offenbar mit der Strategie des Schweigens Erfolg hat. Indem er das Angebot von Terre des Femmes ausschlug, sich zum Fürsprecher dieser Menschenhandelsopfer zu machen, hat er die Chance versäumt, Glaubwürdigkeit zurück zu gewinnen. Genau diese Glaubwürdigkeit fehlt ihm bis heute und er wird sie nicht durch neue Talkshows und Sachbücher wiedergewinnen.
Sr. Dr. Lea Ackermann
1.Vorsitzende SOLWODI e.V.