SOLWODI e.V.


Stellungnahme zur Einladung Michel Friedmanns als Gastredner beim Evangelischen Kirchentag in Hannover

Mit Empörung haben wir von der Einladung Michel Friedmanns als Gastredner beim Evangelischen Kirchentag in Hannover gehört.

SOLWODI arbeitet in Deutschland als Hilfsorganisation für ausländische Frauen in Not. Wir sind als teilnehmende Organisation für den Kirchentag gemeldet und haben uns bereit erklärt, stellvertretend für hunderttausende Frauen und Kinder, die in unserer Gesellschaft kaum eine Stimme haben, auf das Verbrechen des Menschenhandels hinzuweisen und dieses Unrecht anzuklagen.

Der Handel mit Frauen und Kindern, ihre Ausbeutung für sexuelle Zwecke, die Zwangsprostitution, sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit, auf deren Existenz weder in der Bevölkerung, noch in den christlichen Kirchen bislang gebührend reagiert wird.

Wir verstehen nicht die Politik der Kirchentagsveranstalter, einerseits Organisationen wie SOLWODI in einer Teilnahme am Kirchentag zu unterstützen und sich damit auch hinter die Opfer von Zwangsprostitution zu stellen, andererseits mit Herrn Friedmann einen Vertreter der Nutznießer des Handels mit Frauen und Kindern öffentliche Auftritte zu gewähren. Wir empfinden die furchtbare Situation Betroffener ignoriert und unseren eigenen Beitrag beim Kirchentag durch die Einbindung Herrn Friedmanns lächerlich gemacht.

Entrüstet sind wir ebenfalls, dass Herr Friedmann als Gesprächspartner im Rahmen einer Wertediskussion zum Thema "Macht der Wahrheit" geladen wurde. Herr Friedmann selbst hat sich hier durch sein Verhalten als geeigneter Diskussionspartner disqualifiziert.

Gerade Herr Friedmann, der scharfzüngig und äußerst hart in Gesprächsrunden und als Moderator mit Menschen umzugehen pflegte, hätte seinem eigenen Anspruch zufolge und als Person des öffentlichen Lebens im Sommer 2003 nach Bekanntwerden seines frauenverachtenden Fehlverhaltens, eindeutig die Verantwortung für sein Tun übernehmen müssen. Trotz verschiedenster Aufforderungen hat er sich nie gegen dass existierende Unrecht von Menschenhandel und Zwangsprostitution von Frauen und Kindern ausgesprochen, geschweige denn in irgendeiner Form eine Wiedergutmachung geleistet oder sich als Zeichen einer echten Unrechtserkenntnis für die Verbesserung der Situation betroffener Frauen und Kinder in unserem Land eingesetzt.

Wir fordern Sie, die Leitung des Kirchentags 2005 auf, die Einladung Michel Friedmanns zurückzunehmen.

Boppard, den 14.03.2005
Sr. Dr. Lea Ackermann
1. Vorsitzende SOLWODI e.V. Deutschland


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