SOLWODI e.V.


Editorial

Liebe Freundinnen und Freunde von SOLWODI,

mit diesem ersten Rundbrief im Jahr 2005 grüße ich Sie recht herzlich. Die erschreckende Nachricht über das Seebeben in Asien und das Ausmaß der Katastrophe hat uns alle sehr betroffen. Eine unserer Frauen war acht Tage zuvor nach Phuket ausgereist, aber sie hatte Glück, weil sie einen Zwischenstopp bei ihrer Mutter in Bangkok eingelegt hat. Es ist so unfassbar - während wir an einem Ende der Erde Menschen in Not helfen, bricht an einem anderen Ende so grauenhaft neues Elend herein.

Im neuen Jahr haben wir es vor allem mit neuen Gesetzen zu tun, die unsere Arbeit erschweren. Es geht um das Strafrechtsänderungsgesetz, das den Menschenhandel weiter fasst. Nicht nur die erzwungene Zuführung zur Prostitution, sondern auch die Ausbeutung der Arbeitskraft kann in Zukunft bestraft werden. Leider ist die Freierbestrafung nicht aufgenommen worden, das und einiges andere macht uns bei diesem Gesetz noch Sorgen.

Das am 1. Januar 2002 in Kraft getretene Prostitutionsgesetz hat laut "Spiegel" (6/2005) den Prostituierten nichts genutzt, aber den Zuhältern und Bordelliers. Da nun die Prostitution als ein Beruf wie jeder andere angesehen wird, fehlt der Polizei oft die Handhabe für Razzien - meist die einzige Chance, Frauenhandelsopfer zu befreien.

Das neue Zuwanderungsgesetz berücksichtigt nicht die besondere Situation der gehandelten Frauen und Kinder. Auch Hartz IV hat Auswirkungen auf uns. Ein schwacher Trost: Nicht nur wir sind verwirrt angesichts der neuen Paragrafenflut - auch Behörden wie Ausländerämter und Arbeitsagenturen blicken nicht durch.

Unterdessen blüht und gedeiht das Geschäft mit der Ware Frau und Kind, ungebremst von Gesetzen und Grenzen. Wie andere bei der Flutkatastrophe sind auch wir hier voll im Einsatz, um zu helfen. Das können wir, weil wir immer wieder von Ihnen unterstützt werden, dafür herzlichen Dank; "Unsere" Frauen schöpfen dadurch wieder neuen Lebensmut.

Und noch etwas Positives: 2005 wird SOLWODI zwanzig - das wollen wir feiern! Mit einem Jubiläumsfest, das uns finanziell nicht belastet. Darum haben wir uns für einen bescheidenen Rahmen entschieden, hier in Boppard-Hirzenach. Der Festakt soll in der romanischen Hirzenacher Kirche stattfinden. Im Pfarrhaus wird ein Büfett aufgebaut, das unser Freundeskreis aus dem Dorf beisteuern will. Wir freuen uns schon sehr auf unsere Geburtstagsfeier.

Ihre Schwester
Dr. Lea Ackermann



Artikel Nr. 1 von 9 in: Rundbrief Nr. 63 - März 2005
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