SOLWODI ist ein Verein, der Frauen in Notsituationen hilft. SOLWODI ist Anlaufstelle für ausländische Frauen, die durch Sextourismus, Menschenhandel oder Heiratsvermittlung nach Deutschland gekommen sind. Der Verein ist überparteilich und überkonfessionell. mehr...
Die Integrationsprojekte von SOLWODI werden vom EIF und EFF finanziell gefördert.
Mit Unterstützung der Aktion Mensch war es möglich in Ludwigshafen und Berlin SOLWODI Fachberatungsstellen einzurichten. Seit dem 01.04.2009 fördert Aktion Mensch für einen Zeitraum von drei Jahren das "Projekt Lilja - Aufsuchende Arbeit und Kontaktstelle für Prostituierte in Oberhausen".
Lotto Rheinland-Pfalz unterstützt seit 2007 die Arbeit von SOLWODI.
Die Princess Inaara Foundation unterstützt seit einem Besuch der Begum Inaara Aga Khan im Oktober 2005 die Arbeit von SOLWODI.
Seit 1998 ist diese Website ein Sponsoringprojekt der agentur makz für den Verein SOLWODI.
"Frauen, Mädchen, HIV und Aids" lautet das Motto der diesjährigen Welt-Aids-Kampagne und des Welt-Aids-Tages am 1.Dezember. Frauen jeden Alters haben seit Jahren einen immer stärker wachsenden Anteil an den weltweit geschätzten fünf Millionen Neuinfektionen mit HIV und den Erkrankungs- und Todesfällen an Aids. Die Ansteckung mit dem Virus kann in der Zwangsprostitution geschehen sein, deshalb wird auch SOLWODI immer wieder mit Aids in seiner alltäglichen Arbeit konfrontiert.
Pan wusste, dass sie als Prostituierte arbeiten würde. Sie kam aus Thailand nach Deutschland und wollte in der kurzen Zeit ihres dreimonatigen Touristenvisums möglichst viel Geld verdienen - so war es ihr versprochen worden. Das Geld brauchte Pan für ihre Familie im Heimatland: für den Lebensunterhalt, die Ausbildung der Kinder. In Deutschland holte man die Thailänderin am Flughafen ab - der Pass wurde ihr sofort abgenommen - und brachte sie in eine Wohnung. Dort warteten bereits drei weitere Frauen, sie waren eingesperrt. Nach einigen Stunden wurde Pan in ein Bordell gebracht: bis zu 15 Freier am Tag. Sie durfte keinen ablehnen. Keine Kondome, jede nur erdenkliche Sexualpraktik. Keine Ruhezeiten. Pan musste immer bereit sein.
Durch eine Razzia wurde Pan aus dem Bordell befreit und kam zu SOLWODI. Sie will als Zeugin aussagen und wartet auf den Prozess. Ihr schmerzt der ganze Körper, besonders der Rücken, der Kopf und der Unterleib. Nach einer Untersuchung und einem HIV-Test dann der Schock: positiv. Pan reagierte wie viele HIV-infizierte Frauen in der Betreuung von SOLWODI: Zuerst verdrängt sie die Krankheit, dann setzen Wut und Verzweiflung ein und ein unbändiger Hass auf die Männer. Aber auch Angst kommt hinzu: Was wird die Familie dazu sagen? Die Freunde? Die Erkenntnis wächst, dass es keine Möglichkeit gibt, das Geschehene jemals wieder rückgängig zu machen.
Nach der Diagnose Aids ist eine umfassende Aufklärung besonders wichtig für die Frauen. Viele von ihnen wissen nichts oder viel zu wenig über die Krankheit, da sie in ihren Herkunftsländern oftmals tabuisiert ist. Daher arbeitet SOLWODI sehr eng mit den Gesundheitsämtern zusammen. Regelmäßig kommen Mitarbeiterinnen in die Beratungsstellen von SOLWODI und informieren über Gesundheitsvorsorge, aber auch über Behandlungsmethoden, eine gesunde Ernährung und Möglichkeiten einer positiven Lebensgestaltung. Wenn die Frauen mit der Zeit auch andere Betroffene kennen lernen und die Angebote von Selbsthilfegruppen wahrnehmen, merken sie: "Ich bin nicht alleine mit diesem Problem." Dann schöpfen sie irgendwann wieder neuen Lebensmut und lernen, ihre Situation zu akzeptieren. Während dieses ganzen Prozesses ist eine Vertrauensperson, mit der sie offen über alle Fragen sprechen können, besonders wichtig. Daher nehmen die muttersprachlichen Beraterinnen von SOLWODI eine ganz zentrale Rolle ein.
Wenn der Gesundheitszustand wieder stabiler ist, können die Frauen von der SOLWODI-Schutzwohnung in ein Wohnprojekt für Menschen mit der Immunschwäche umziehen. Einige nehmen aber auch an dem Rückkehrerinnenprojekt von SOLWODI teil, mit dessen Hilfe sie für sich und ihre Familie eine Existenz in ihrem Heimatland aufbauen können - eine Hühnerfarm, ein kleines Restaurant oder ein Laden für Waren des täglichen Bedarfs. In Deutschland fühlen sich die Frauen oftmals isoliert, sind arbeitslos oder sehen keinen Sinn in ihrer Arbeit. In der Familie hingegen empfinden sie Geborgenheit und dieses Gefühl möchten sie auch ihren Kindern vermitteln und ihnen für die Zukunft sichern.
Die Rückkehr wird sehr sorgfältig vorbereitet. Zunächst muss die Frau SOLWODI von ihrem Rückkehrwunsch überzeugen, denn die finanzielle Sicherheit und die gesundheitliche Versorgung im Heimatland ist nicht in dem Umfang wie in Deutschland gewährleistet. SOLWODI sucht eine geeignete Nichtregierungsorganisation (NGO) vor Ort, die sich auch mit der speziellen Problematik von HIV-infizierten Menschen auskennt. Sollten dringend benötigte Medikamente im Heimatland nicht erhältlich sein, versucht SOLWODI, die Frau aus Deutschland damit zu versorgen. Das weitere Vorgehen wird dann mit der NGO im Land abgesprochen. Seit Kurzem arbeitet SOLWODI zum Beispiel mit einer NGO in Sambia zusammen, die von Deutschland unterstützt wird. Die Organisation fördert einkommensschaffende Maßnahmen, verfügt über Ausbildungsprogramme und kann Menschen mit dem Aids-Virus betreuen.
Vor der Reise in die Heimat geht SOLWODI mit der Rückkehrerin jede Einzelheit genau durch: die günstigste Verschiffung des Gepäcks, Kosten für die Beförderung zum Flughafen und vom Flugplatz zum Heimatort, Terminabsprache mit der NGO zur ersten Kontaktaufnahme, Anmeldung der Kinder in der Schule, Unterbringung usw. Damit die Rückkehr möglichst reibungslos verläuft, steht SOLWODI in jahrelangem Kontakt mit den Frauen und den sie betreuenden Organisationen im Heimatland.
Schwieriger ist es mit den Frauen, die nur in kurzem Kontakt mit SOLWODI standen: die "Illegalen", die in der Prostitution gearbeitet haben, Arbeitsmigrantinnen ohne Aufenthaltsstatus, Frauen in Abschiebehaft. Möglicherweise ist die Dunkelziffer der HIV-Infizierten unter diesen Rückkehrerinnen sehr hoch. Sie reden nicht über ihr Problem oder sie wissen es nicht. Manchmal entdecken sie erst im Heimatland ihre Krankheit. Im besten Fall haben sie noch Kontakt zu der mit SOLWODI kooperierenden NGO, die sie betreut. Dann ist eine Hilfe möglich. Es kommt aber auch vor, dass Kontakte zu Rückkehrerinnen abbrechen. Der Ausbruch von Aids könnte eine Ursache dafür sein.
von Mirjam Kieser, Walentyna Chluba,Dorothee Helou, Judith Hens
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