Title: Editorial
Subtitle: Rundbrief Nr. 62 - Dezember 2004

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Editorial

Liebe Freundinnen und Freunde von SOLWODI,

unsere Sorge gilt vor allem Frauen, aber wir sorgen uns auch um Kinder. Was sie am Anfang des dritten Jahrtausends erdulden müssen, erschüttert mich zutiefst. Kinder sind die ohnmächtigsten Opfer von Unterdrückung und Ausbeutung, Egoismus und Ignoranz. Weil ihr Leid kaum wahrgenommen wird, rücken wir sie im letzten Rundbrief des Jahres ins Blickfeld.

Ein anderes Thema, das uns - auch hier in der SOLWODI-Zentrale im kleinen Hirzenach - täglich betrifft, ist die Globalisierung. Durch die neuen Informationstechnologien ist die Welt auf das Format eines Dorfes geschrumpft. Leider keins, in dem jeder jeden kennt und jeder jedem hilft, sondern eins, das nur aus einem Marktplatz besteht, auf dem gehandelt wird: mit Devisen, Waren und Menschen. Wir erleben zurzeit einen Strukturwandel, der die industrielle Revolution weit in den Schatten stellt und alles in Frage, was wir für ewige Güter hielten. Keine Handelsgüter, sondern ideelle und soziale. Kurzum: Menschenrechte. Erkämpft durch die französische Revolution im achtzehnten, die Arbeiterbewegung sowie die Frauenbewegung im neunzehnten, und dann erneut in den 70er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Politisches Handeln ist in dem globalen Dorf zu wirtschaftlichem Handel verkommen, soziales Denken zu ökonomischem Kalkül. Der Mensch ist nur noch Zielgruppe für zu vermarktende Produkte. Oder er wird selbst vermarktet. Vor allem Frauen und Kinder. Ja, der so genannte "Menschenhandel" - ein verbrämendes, die Tatsachen verschleierndes Wort - ist in Wahrheit Frauen- und Kinderhandel. An ihm werden Jahr für Jahr weltweit Milliarden verdient. Die Folgen dieses Verbrechens erfahren wir von SOLWODI Tag für Tag hautnah. Auch dazu mehr in diesem Rundbrief.

Doch zum Schluss etwas Positives! Dass wir 2004 unsere Arbeit noch mehr intensivieren und ausbauen konnten, haben wir auch Ihnen zu verdanken. Als ein Beispiel von vielen sei die "Aktion Mensch" genannt, die es uns ermöglicht hat, in Ludwigshafen eine neue Beratungsstelle zu eröffnen. Aber auch all den ungenannten Spenderinnen und Spendern sei an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön gesagt. Und den ChristInnen unter ihnen ein wörtlich gemeintes: "Vergelt's Gott!" All unseren Freundinnen und Freunden wünschen wir - einerlei, ob gläubig oder nicht - ein friedliches Weihnachtsfest und Gottes Segen im neuen Jahr.

Ihre Schwester
Dr. Lea Ackermann



Artikel Nr. 1 von 6 in: Rundbrief Nr. 62 - Dezember 2004
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