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Zu den Internetseiten der Aktion Mensch.Mit Unterstützung der Aktion Mensch war es möglich in Ludwigshafen und Berlin SOLWODI Fachberatungsstellen einzurichten. Seit dem 01.04.2009 fördert Aktion Mensch das "Projekt Lilja" in Oberhausen und seit dem 15.04.2011 das Projekt "Stella" in Aachen, beide Projekte für einen Zeitraum von drei Jahren .

Zu den Internetseiten der Lotto Gesellschaft Rheinland-Pfalz.Lotto Rheinland-Pfalz unterstützt seit 2007 die Arbeit von SOLWODI.

Zu den Internetseiten der Peter Ustinov StiftungDie Peter Ustinov Stiftung unterstützt Bildung von Mädchen in Kenia und Ruanda, sowie Freizeitaktivitäten der Kinder unserer Klientinnen in Deutschland.

Zu den Internetseiten der Princess Inaara FoundationDie Princess Inaara Foundation unterstützt seit einem Besuch der Begum Inaara Aga Khan im Oktober 2005 die Arbeit von SOLWODI.

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Rundbrief Nr. 62 - Dezember 2004

Kinder zwischen den Welten

Ende 2003 erzählt Elena beim BKA litauischen PolizistInnen ihre Geschichte. Elena kommt aus Osteuropa.

Mit fester Stimme und traurigen Augen erzählt Elena, wie sie auf das angebliche Jobangebot in Deutschland herein fiel, das ihr ein Verwandter vermittelt hatte. Sie beschreibt ihr Leiden im Bordell, die Razzia, und wie sie zu SOLWODI kam. Sie berichtet von ihrem Prozess, von den Drohungen, die ihre Familie zu Hause erhielt, während Elena hier vor Gericht als Zeugin aussagte. Sie hatte große Angst um ihre damals 5jährige Tochter, bis die Kleine schließlich nach Deutschland geholt werden konnte.

Es ist zu sehen, wie Elenas Augen strahlen, wenn sie von ihrer Tochter redet. Dennoch fängt ihre Stimme an zu zittern. Als das Kind nach Deutschland kam, kennt es seine Mutter nicht mehr. Die Kleine ist entsprechend aggressiv und widerspenstig, will nicht bleiben, spricht kein Deutsch und hat keine Freunde hier. Elena ist wegen ihres erlebten Traumas kaum in der Lage, sich mit ihrem Kind auseinanderzusetzen. Sie ist mit den Nerven am Ende, krank vor Sorge um ihre Eltern zuhause und mit einem entwurzelten, verlorenen Kind alleine in einem fremden Land.

Elena muss ihre Arbeit bald aufgeben sie ist "nicht flexibel genug", weil sie wegen des Kindes nicht nachts und am Wochenende arbeiten kann. Also leben die beiden wieder von ?250.- Sozialhilfe. Sie erzählt, wie schwer es ihr fällt, ihrer Tochter fast jeden Wunsch abschlagen zu müssen. Elena will arbeiten aber niemand stellt sie ein, "unflexibel" wie sie ist. Dann erzählt sie voller Stolz, wie gut ihre Tochter sich eingelebt hat. Sie hat deutsche Freunde, geht hier zur Schule und weigert sich inzwischen, ihre Muttersprache zu sprechen. Genau hier stutze ich: Elena und ihre Tochter können auf absehbare Zeit nicht zurück, das sehen auch die deutschen Behörden ein. Aber sie haben hier nur eine Duldung, kein dauerhaftes Aufenthalts-recht. Irgendwann wird man sie vermutlich zurück schicken - und dann? Ihre kleine Tochter hat sich vollständig akklimatisiert. Sie verdrängt sogar jede Erinnerung an ihr Heimatland bis hin zu ihrer Muttersprache. Was soll sie in der Heimat der Mutter?

Die Gedanken an dieses Kind beschäftigen mich noch lange. Wie muss es wohl sein, seine Wurzeln gekappt zu bekommen, wenn man 5 Jahre alt ist? Wie groß wird die Enttäuschung sein, wenn vielleicht die neuen Wurzeln, die das Kind in Deutschland geschlagen hat, auch wieder gekappt werden? Ich frage mich, wie so ein Kind seine Identität findet, zwischen zwei Welten, zwischen zwei Kulturen.

Elena tut alles dafür, ihr Kind selbst versorgen zu können und versucht, ihr eine Perspektive zu bieten. Die Kleine ist sehr clever und bringt gute Noten mit nach Hause. Aber auch Elena kann nichts daran ändern, dass ihrer Tochter ein Stück Identität fehlt, dass ein Teil von ihr "verstummt" ist.

von Manuela Therre

Artikel Nr. 4 von 6 in: Rundbrief Nr. 62 - Dezember 2004
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