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Globalisierung ohne "Navigationssystem"?

Das Wort "Globalisierung" ist heute in aller Munde. Zugleich tauchen eine Menge Utopien und Wunschvorstellungen dabei auf. Von Neo-Kapitalismus ist die Rede, von internationalem Wettbewerb, von weltwirtschaftlichem Fortschritt, von Wohlstand für alle, von "dem Tüchtigen gehört die Welt".

Bange Fragen melden sich zu Wort: wer werden die Nutznießer dieser kaum noch kontrollierbaren Entwicklung sein? Wie viele werden dabei immer ärmer und wie wenige immer reicher? Wie kann da noch von internationaler Friedensordnung die Rede sein? Wie von Gerechtigkeit für alle?

Dabei bedarf es nicht einmal theoretischer Antworten. Denn eine bestimmte Art "Zukunft" hat schon längst begonnen. Kriege auf der Welt; das Flüchtlingselend von Millionen Männern, Frauen und Kindern; Hunger und Heimatlosigkeit; wachsende Gewaltbereitschaft zwischen Stämmen und ethnischen Minderheiten; Recht- und Sprachlosigkeit der immer schon Entrechteten und "Randfiguren"; Terrorismus und Fanatismus zwischen Religionen und Kulturen - alles das könnten Ausdrucksformen der wachsenden Angst von Menschen sein, eines Tages noch mehr als bisher zu den Unterprivilegierten und Unterdrückten einer Entwicklung zu gehören, die sich "Globalisierung" nennt.

Bisweilen scheint mir der Gang der Dinge in der Welt mit einem Großraumflugzeug vergleichbar, bei dem das Navigationssystem ausgefallen ist. Der Pilot ist zwar tüchtig und erfahren. Er ist dieselbe Route schon oft geflogen. Er kennt den Sternenhimmel und die Klüfte, Berge, Seen und Landschaften, die es zu überfliegen gilt. Er ist sich seiner Sache sicher. Er kann sich auf sein Können, seine Fähigkeiten und sein Reaktionsvermögen verlassen. Dennoch: wo das Navigationssystem ausfällt, das Kontroll- und Kommandosystem, welches "von außen" den Flug überwacht und im Notfall zu Kursänderungen verpflichtet, da ist das Flugzeug verloren. Der Absturz ist dann nur noch eine Frage der Zeit.

Der Prozess der Globalisierung ist so ähnlich. Naive Politiker und Interessierte reden sich und anderen ein, dass sich der globale Markt "von selbst" regulieren werde nach dem Motto: Der Mensch ist edel und gut genug, um den Prozess in den rechten Bahnen zu halten. Wie beim Flugzeug das Navigationssystem überlebensnotwendig ist, so auch eins beim Prozess der Globalisierung. Man könnte ein solches Kontroll- und Sicherungssystem auch ethische Verpflichtungen nennen, an die sich alle verbindlich zu halten haben. Konkret ausgedrückt: eine globalisierte Welt braucht eine internationale soziale Gerechtigkeit; eine Friedensordnung, eine ethisch ausgerichtete Verfassung. Eine Welt, welche die Maßstäbe rechten Handelns verloren hat, gleicht einem Großraumflugzeug ohne Steuerungssystem. Der tödliche Absturz in Grausamkeiten und Bestialitäten ist dann nur noch eine Frage der Zeit. Bleibt zu hoffen, dass Horrorszenarien bei Zeiten erkannt und deren Verlauf rechtzeitig in Bahnen zum Besseren gewendet werden.

von Pater Fritz Köster
www.fritz-koester.de

Artikel Nr. 5 von 6 in: Rundbrief Nr. 62 - Dezember 2004
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