2005 ist ein ganz besonderes Jahr für uns - wir werden zwanzig Jahre alt. Darum nehme ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mit auf eine kurze Reise durch eine lange Geschichte.
Ich habe SOLWODI ("Solidarity with women in distress") 1985 als Ausstiegsprojekt für Prostituierte in Mombasa initiiert. Heute gibt es in Kenya vier SOLWODI-Anlaufstellen: in Mombasa, Malindi, Mtuhapa und Kilifi. Es ist ein weites Feld, das wir dort "beackern". Die Stichworte Armutsprostitution, Aids, Arbeitsbeschaffung, Bildung und Ausbildung werfen ein Schlaglicht darauf. Unsere besondere Sorge gilt den Töchtern von Prostituierten. Die 2002 gegründete Organisation SOLGIDI ("Solidarity with girls in distress") ist speziell diesen Mädchen gewidmet: Sie ermöglicht ihnen den Schulbesuch, für den in Kenya Gebühren erhoben werden.
Unsere Arbeit in Deutschland begann Ende 1987 in Baldham bei München. Anfang 1988 wurde SOLWODI als gemeinnütziger Verein in München registriert. Da wir dort keine mietfreien Räume fanden und kein Geld für die Miete hatten, zogen wir 1989 nach Boppard-Hirzenach um, wo uns die Diözese Trier bis heute kostenlos Räume im Pfarrhaus zur Verfügung stellt.
1991 richteten wir in Mainz eine zweite Beratungsstelle ein, weil sich immer mehr Frauen - viele mit Kindern - an uns wandten, die in Deutschland als Migrantinnen in Not geraten waren. 1994 konnten wir mit dem Erbe, das uns eine Förderin aus Mönchengladbach vermacht hatte, ein eigenes Frauenhaus in Koblenz erwerben. 1997 eröffneten wir eine Beratungsstelle mit Frauenhaus in Duisburg: dank der Unterstützung der Hiltruper Missionsschwestern, der kfd-Frauen sowie des Frauennetzwerkes und der Stadt Duisburg. Im Frühjahr 1999 gründeten wir eine Beratungsstelle in Braunschweig. 2001 richteten wir dort auch ein Frauenhaus ein. Beides ermöglicht durch die Hildesheimer Vinzentinerinnen und die Diözese Hildesheim. Bei der Eröffnung einer Osnabrücker Beratungsstelle nebst Frauenhaus im Oktober 1999 halfen uns die Diözese Osnabrück, die Missionarinnen Mariens und die Franziskanerinnen - mit Geld, aber auch mit Rat und Tat.
Ebenfalls 1999 entstand ein sehr engagierter Arbeitskreis (AK Ostalb) in Aalen und Schwäbisch Gmünd, der sich inzwischen zu einer Kontaktstelle entwickelt hat. Im AK Ostalb haben sich Soroptimistinnen, Frauenbeauftragte, Ordensfrauen und Bürgerinnen zusammengefunden, die Öffentlichkeitsarbeit für SOLWODI machen, Spenden sammeln und Zuschüsse besorgen. Zudem ist es diesem Arbeitskreis auf vorbildliche Weise gelungen, Behörden, Polizei und Politik in der Region Ostalb für die Probleme von Menschenhandelsopfern zu sensibilisieren.
Der Arbeitskreis Passau, auch seit 1999 aktiv, setzte sich unermüdlich für die Einrichtung einer Beratungsstelle nebst Frauenhaus in Passau ein, was 2003 gelang. Unterstützt wurde der AK dabei von den Maria Ward Schwestern (Kongregatio Jesu), vom katholischen Frauenbund sowie dem Zusammenschluss der Frauenorden in der Diözese Passau. 2001 war die Eröffnung einer Beratungsstelle mit Frauenhaus in Bad Kissingen vorausgegangen. Was vor allem der Gemeinschaft der Missionshelferinnen (Säkularinstitut) Würzburg zu verdanken ist. Auch der Augustinerorden leistete einen wesentlichen ideellen und finanziellen Beitrag. Im Jahr 2004 konnten wir uns durch eine großzügige Spende der "Aktion Mensch" mit einer Beratungsstelle in Ludwigshafen niederlassen.
Zeitgleich wurden in den jeweiligen Bundesländern, in denen unsere Beratungsstellen beheimatet sind, SOLWODI-Vereine gegründet: SOLWODI Rheinland-Pfalz e.V., SOLWODI NRW e.V., SOLWODI Bayern e.V. und SOLWODI Niedersachsen e.V. Für übergreifende Aufgaben entstand 2004 als Dachverein SOLWODI Deutschland e.V.
Während der vergangenen zwei Jahrzehnte haben wir zahlreiche Projekte durchgeführt. Das 1993 gestartete Rückkehrerinnen-Projekt ist zu einer festen Einrichtung geworden. Wir freuen uns, dass wir seit nunmehr zwölf Jahren Migrantinnen in ihrer Heimat einen Neubeginn ermöglichen können. Das Projekt wird über den World University Service (WUS) im Auftrag der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert. Es ist SOLWODI-Deutschland angegliedert, hat seinen Sitz in Mainz und agiert bundesweit.
Um uns irgendwann einmal unabhängig von staatlichen Instanzen finanzieren zu können, haben wir 2002 die SOLWODI-Stiftung aus der Taufe gehoben. Zurzeit ist sie noch eine weit offene, leere Hand. Wir hoffen auf Menschen, die unsere Arbeit so schätzen, dass sie uns zu ihren Erben machen. Falls Sie das in Erwägung ziehen sollten, liebe Leserin, lieber Leser, seien Sie versichert: Die SOLWODI-Stiftung sorgt dafür, dass Ihr Erbe gut angelegt wird! Sie helfen damit Frauen und Kindern in Not.
Leider werden es immer mehr in diesen kalten, menschenverachtenden Zeiten. So groß die Freude darüber auch sein mag, dass wir 20 Jahre durchgehalten haben - noch größer wäre sie, wenn sich unsere Arbeit inzwischen erübrigt hätte.
von Sr. Lea Ackermann
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