Bei der Eröffnung des SOLWODI-Zentrums in Mombasa im September 1986 trug Rosebella Adiambo, eine unserer ersten Frauen, vor 50 Ehrengästen, darunter der Bischof von Mombasa, Bischof Kirima, ein Gedicht vor, das sie selbst in Englisch geschrieben hatte. Es ist das erste SOLWODI-Gedicht überhaupt. Es war sehr lang. Die erste Strophe haben wir damals ins Deutsche übersetzt und in unserem Rundbrief Nr. 5 vom November 1986 veröffentlicht. Wir drucken sie hier noch einmal ab - als Auftakt unserer kleinen Reihe mit Gedichten aus dem SOLWODI-Lyrikwettbewerb. Rosebellas Gedicht hieß: "Wir können es schaffen!" Sie selbst ist aus der Prostitution ausgestiegen, machte eine Ausbildung als Sozialarbeiterin und arbeitete lange Jahre im Ordinariat der kath. Kirche in Mombasa für Frauenfragen.
Nur eine Frau!
So nennst Du mich,
weil du glaubst,
ich wäre ein minderwertiger Mensch.
Aber, mein Lieber,
dass ich eine Frau bin,
macht mir nicht meine Rechte streitig
und die Freiheit,
mich zu Wort zu melden.
Noch erlaubst Du es Dir,
mich zu beleidigen,
mich zu misshandeln,
auf mich herabzusehen.
Denn ich bin ja nur eine Frau.
Und der "BOSS" hat immer Recht.
Wenn er behauptet,
meine Hautfarbe, die ich als schwarz kenne,
wäre rosa,
dann ist sie rosa.
Ihr Frauen!
Sexismus liegt in der Luft.
Wir wollen uns vereinigen und das tun,
von dem viele denken:
Wir könnten es nicht schaffen.
Ich sage euch:
Wir können es schaffen!
von Cornelia Filter
| < Vorheriger | Zur Übersicht | Nächster > |