Prostitution ist keine Promotion für Frauen. Prostitution schadet auch Männern. Prostitution sollte abgeschafft werden. Dies machten Sr. Dr. Lea Ackermann, die Gründerin des Vereins SOLWODI - Solidarität mit Frauen in Not, und Alice Schwarzer beim Festakt zum 20jährigen Bestehen des Vereins am 20. Mai 2005 in Hirzenach deutlich.
Alice Schwarzer betonte, dass die Menschenwürde im Grundgesetz festgeschrieben sei und dennoch mit Füßen getreten werde, wie in der Prostitution, die die Menschenwürde von Frauen und Männern antaste. Dass Männer Frauen kaufen könnten, ihren Körper und ihre Seele anfassten, mache Frauen zum käuflichen Geschlecht, sagte Alice Schwarzer. So würden mit Prostitution Lust und Unterdrückung verknüpft. Alice Schwarzer forderte ein Gesetz zur Bestrafung von Freiern, mit dem in Schweden bereits gute Erfahrungen gemacht wurden, weil damit ein gesellschaftliches Umdenken angeregt werde. "Gesetze sind Ausdruck eines Gerechtigkeitsempfindens, die eine Gesellschaft sich gibt. Wenn Männer in einer Gesellschaft leben, in der Freier bestraft werden, fangen sie vielleicht wieder an zu denken", sagte die Journalistin. Landläufig hieße es, Prostitution sei das älteste Gewerbe und das könne man nicht ändern. "Das hat man bei der Sklaverei auch gesagt. Und wir haben sie hier in unserer Gesellschaft abgeschafft. Darum ist es mein Ziel die Prostitution abzuschaffen. Menschenwürde ist unantastbar und Frauen sind auch Menschen", sagte die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer.
Sr. Dr. Lea Ackermann antwortete auf eine Gesellschaft, die es zulässt, dass Frauen Gewalt erfahren, unterdrückt werden und zur Prostitution gezwungen werden, 1985 mit der Gründung von SOLWODI - Solidarität mit Frauen in Not. Hier gibt sie den Frauen Schutz, Beratung, Lebenshilfe und entwickelt mit ihnen neue Lebensperspektiven. Sie hat in zwanzig Jahren gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen viel erreicht. Wie Alice Schwarzer hält auch sie daran fest, dass Freier zur Verantwortung gezogen werden müssen, und vergitterte Fenster, verschlossene Türen und zerschlagene Körper Indizien für unfreiwillige Prostitution sind.
"An der Ordensfrau Lea Ackermann wird der Mut zum Ungewohnten deutlich", sagte der zweite Vorsitzende von SOLWODI, Prof. Dr. Fritz Köster, der die Entwicklungen von der ersten Stunde an begleitet hat. Er legte in seiner Rede den Finger auf die Wunden unserer Gesellschaft. In unserer Wohlstandsgesellschaft habe Geld einen zu hohen Wert, meinte er. Menschlichkeit geht dabei oft verloren. "Wenn ein solcher Trend entsteht, dann hört man sehr schnell auf, bestimmte Dinge wahrzunehmen", sagte der Theologe. Der zweite Vorsitzende von SOLWODI erklärte, dass viel Wohlstand heute auf Kosten von Armen und Ausgebeuteten lebe. "Die Freiheit und Menschenwürde überall auf der Welt zum Zuge kommen zu lassen, ist ein langer Weg. Nach 20 Jahren zeigt sich, dass wir erst am Anfang dieses Weges angekommen sind", sagte Pater Köster.
von Gabriele Kiefer
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